Nachdem ich meine Abschlussarbeit abgeben habe, sind wir quasi direkt in den Zug gestiegen um etwas zu reisen. Vor einigen Jahren habe ich einen Artikel über den Zipfelpass gelesen. Ich finde die Idee sehr charmant, da es ja tatsächlich vier »Zipfel« in Deutschland gibt und man, je nach Wohnort, durch das ganze Land reist. Unsere Reise begann aus dem Westen Deutschlands in Richtung Dresden, um die nächste Bahn gen Görlitz zu nehmen.

Auf der Fahrt von Dresden nach Görlitz ist mir eine Sache untergekommen, die ich so vorher nur im äußersten Norden gesehen habe: »Bedarfshaltestellen« für Züge. Der Zug fährt nicht jede Haltestelle an, sondern nur, wenn Personen am Gleis stehen oder Passagiere frühzeitig den „Stop“-Knopf gedrückt haben. Erscheint mir in ländlichen Gegenden sehr sinnvoll.

Nach der Ankunft in Görlitz wurde schnell klar, dass die Architektur der Stadt sehr interessant ist. Gebäude aus unterschiedlichen Zeiten prägen das Stadtbild. Wie man uns später erklärte, gibt es in Görlitz leider sehr viel leerstehende Gebäude, sodass der Quadratmeter meistens nur 5€ kostet. Das ist natürlich eine Hausnummer, von denen Großstädte nicht mal im Ansatz träumen können. Nachdem wir, mit Blick auf Neiße und Polen, unser Zimmer bezogen haben, sind wir ohne konkreten Plan durch die Altstadt geschlendert. Sobald man sich ein wenig von der Stadt treiben lässt, sieht man auch ohne Reiseführer viele Sehenswürdigkeiten. Am zweiten Tage habe ich mich dann über Sehenswürdigkeiten informiert, den besten Tipp gab es dann allerdings im Laufe des Tages von einem Einwohner Görlitz‘: Eine Führung in der örtlichen Bierbrauerei sei ein Pflichtprogramm, man käme sogar zu Fuß zur Brauerei.

Nach dem Gespräch habe ich die Website besucht, freie Plätze für die Führung entdeckt und für den selben Tag direkt gebucht. Eine Brauereiführung hatte ich bislang noch nie gemacht und es hat sich sehr gelohnt. Zudem braut die Brauerei, Landskron, ein fantastisches Bier.

Nicht nur das Bier ist dort gut, sondern auch das Stadtbild, das »Görliwood« ausmacht. Den Namen »Görliwood« hat sich die Stadt eingebracht, weil es viele Gebäude aus der Renaissance, Spätgotik, Barock und Gründerzeit in der Altstadt gibt, und diese Tatsache viele Filmproduzenten Görlitz als Filmkulisse genutzt haben. Einige Straßen mit Gebäuden aus der Gründerzeiten haben uns direkt an Wuppertal erinnert, da fühlte man sich direkt heimisch. Ein Besuch in Görlitz ist also nicht nur aus architektonischer Sicht interessant, sondern bietet auch einen unverfänglichen Spaziergang in unserem Nachbarland Polen.

Seit langer Zeit bin ich ein großer Verfechter davon, so wenig Fotos wie möglich, aber so viele, bewußte, Fotos wie nötig zu schießen. Deshalb fällt der Reisebericht deutlich länger aus als die Fotostrecke. Ist doch auch schön.

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