Bildsprache & Fotografie: Das Smartphone, Kleinbild-Fotokultur und Instagram-Filter auf dem Vormarsch

11. Juli 2014.Daniel.Noch nicht geherzt.1 Kommentar

Besonders jetzt im Sommer sieht man sie wieder überall: Touristen, Ausflügler und Familien, die mit konzentriertem Blick ihr Smartphone in die Höhe recken und alles einfangen, was ihnen auch nur im entferntesten Sinne fotografierenswert erscheint. Mithilfe von Apps zur Bildbearbeitung auf dem Telefon oder dem Laptop lassen sich die Bilder schnell und unkompliziert bearbeiten und verbreiten. So wird jeder Smartphonebesitzer schnell zum Kleinbild-Fotokünstler. Doch kann dieser Trend die traditionelle Fotografiekunst ersetzen?

Kleinbild-Fotokultur mit dem Smartphone

Unter Kleinbild-Fotokultur verbirgt sich die Praxis, mit Smartphones oder kleinen Digitalkameras spontan Schnappschüsse von allen erdenklichen Alltagssituationen aufzunehmen. Da mittlerweile fast jedes Handy mit einer guten Kamera ausgestattet ist, wird dafür keine spezielle Ausrüstung benötigt. Mit dem Telefon ist auch die Kamera stets zur Hand und so werden auch Menschen zu begeisterten Knipsern, die sich vor den Zeiten der digitalen Smartphonekameras nicht für das Fotografieren interessiert haben.

Die Foto-App Instagram bietet ihren Nutzern zahlreiche Filter, mit denen nachträglich völlig mühelos Effekte erzielt werden können, für die normalerweise fundiertes technisches Wissen und eine spezielle Kameraausrüstung nötig wären. So kann ein normales Handyfoto online mit einem Tilt-Shift-Effekt versehen werden, ganz ohne, dass ein TS-Objektiv zum Einsatz gekommen wäre.

Fotografische Grenzen

Viele Smartphones enthalten Kameras mit bis zu 8 MP. Doch dass stellt sie noch nicht auf eine Stufe mit einer guten Spiegelreflexkamera. So kommt es bei Handybildern leicht zu einem unschönen Bildrauschen, das sich spätestens dann nicht mehr übersehen lässt, wenn das vermeintlich perfekte Urlaubsbild bspw. auf eine Fotoleinwand gedruckt worden ist. Ein großes Problem ist auch die Auslöseverzögerung, die besonders bei Portraitaufnahmen oder Aufnahmen von bewegten Elementen stört. Hinzu kommt das geringe Gewicht. Ein Smartphone wiegt nur wenige Gramm, deshalb ist es äußerst schwierig, es ruhig zu halten. Zwar gibt es spezielles Zubehör, mit dem eine Art Griff an das Gerät angebaut werden kann, damit wird aber nicht die Ruhe wie mit einem Stativ erzeugt.

Fotografie-Kunst mit dem Handy?

Ob es sich bei einem Foto um Kunst handelt, hängt auch vom technischen Können des Fotografen ab. Die geschickte Anwendung von Filtern und Apps ist etwas anderes, als ein bewusst komponiertes Bild, dass mit handwerklichem Geschick und entsprechender Technik aufgenommen worden ist. Ein Fotograf, der etwas von Bildaufbau, Objektiven und Kameraeinstellungen versteht, kann sicher auch mit einer guten Smartphone-Kamera Bilder erzeugen, die als Fotokunst gelten dürfen. Entscheidend ist vor allem, wer hinter der Kamera steht und mit welchem Können ein Bild gemacht wird.

Und das ist das Problem der Kleinbild-Fotokultur – da auf dem Handy jeder Schnappschuss irgendwie gut aussieht, fehlt der Ansporn, sich mit den Gesetzen und Techniken guter Fotografie auseinander zu setzen. Ein Instagram-Filter ist schnell angewendet, wie der ausgewählte Effekt aber zustande kommt und welche technischen Voraussetzungen er verlangt, ist nicht mehr transparent. So bleiben Smartphone-Nutzer immer auf Apps angewiesen, auf die sie zugreifen können, während es zur traditionellen Fotokunst gehört, zu wissen, was man tut und bis zu einem gewissen Grad unabhängig von digitalen Bildbearbeitungsprogrammen agieren zu können.

Kategorien Links, Tipps & Tricks

Kommentare (1)

  • Steven . 22. August 2014 . Antworten

    „da auf dem Handy jeder Schnappschuss irgendwie gut aussieht“ – wenn das Bild irgendwie gut aussieht, dann hat der Erschaffende doch irgendwas richtig gemacht. Ein einfallsloses Bild wird auch durch einen bunten Instagram-Filter nicht besser. Wobei meiner Meinung nach der Kontext des Bildes oft erst über großartig oder gleichgültig entscheidet.

    Den niederschwellige Zugang zur Fotografie durch Smartphone und Instagram finde ich begrüßenswert. Aber wie bei vielen anderen digitalen Dingen heute sollte man auf das Verhältnis von Signal zu Rauschen achten.

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