Beispielfoto zur Veranschaulichung von Brennweite und Bildausschnitt
Fotografie Fotografieren lernen

Brennweite erklärt: Was 24mm, 50mm und 200mm wirklich machen

Brennweite ist eine der drei Zahlen, die jedes Objektiv definieren. Sie steht da in Millimetern auf dem Tubus, klingt technisch und ist tatsächlich der wichtigste Hebel, mit dem du dein Bild gestaltest. Wer Brennweite versteht, hört auf zu zoomen und fängt an zu komponieren.

Wenn du gerade dein erstes Objektiv kaufst oder vor dem Schritt zum zweiten stehst, kommst du an einer Frage nicht vorbei: 24-70mm? 50mm Festbrennweite? 70-300mm Tele? Was tun diese Zahlen eigentlich mit deinem Bild? Schauen wir uns das in Ruhe an, ohne Physikvorlesung, dafür mit klarem Praxisbezug.


Was Brennweite physikalisch ist

Die Brennweite ist der Abstand zwischen der Linse deines Objektivs und dem Punkt, an dem das einfallende Licht gebündelt wird. Diesen Punkt nennt man Brennpunkt. Bei einem 50mm-Objektiv liegen Linse und Brennpunkt 50 Millimeter auseinander, bei einem 200mm-Tele entsprechend 200 Millimeter. Bei Zoomobjektiven ist diese Distanz variabel, daher der Name.

Wichtig zu verstehen: Die Brennweite verändert nicht das Motiv selbst. Sie verändert den Bildausschnitt und damit auch, wie nah dein Motiv im Bild wirkt. Ein 50mm-Objektiv zeigt dir einen Ausschnitt, der ungefähr deinem natürlichen Sehfeld entspricht. Ein 24mm-Weitwinkel zeigt mehr drumherum. Ein 200mm-Tele isoliert ein kleines Detail.

Die drei Brennweitenbereiche

Klassisch unterscheidet man drei Bereiche, jeder mit eigener Bildwirkung und typischen Anwendungen.

Weitwinkel (8 mm bis 24 mm): Großer Bildwinkel, viel passt aufs Bild. Das ist die Brennweite für Landschaft, Architektur, Innenräume und Reportage. Räumliche Tiefe wirkt verstärkt, Vordergrund und Hintergrund rücken sichtbar auseinander. Ab 14 mm sprichst du von Ultraweitwinkel, unter 12 mm wird es zu Fisheye-Effekten mit gewollten Verzerrungen. Ein Hinweis: Weitwinkel verzerrt Gesichter, wenn du nah rangehst. Für Porträts ist es eine schlechte Wahl.

Normalbrennweite (28 mm bis 50 mm): Entspricht ungefähr dem menschlichen Sehfeld. Bilder wirken natürlich, ohne Verzerrung in irgendeine Richtung. Das ist die Brennweite, mit der ich jedem Anfänger empfehle anzufangen, vor allem die klassische 50 mm Festbrennweite. Sie zwingt dich, dich selbst zu bewegen, und du lernst sehr schnell, wie Brennweite und Komposition zusammenhängen.

Tele (50 mm bis 800 mm): Schmaler Bildwinkel, das Motiv wirkt herangezogen. Die Schärfentiefe wird flacher, der Hintergrund schöner unscharf. Klassisch ist das die Brennweite für Sport, Wildlife, Konzerte und Porträts (oft 85 mm bis 135 mm). Ab 200 mm wird’s richtig spezialisiert. Ab 400 mm bist du im Profi-Wildlife-Bereich.

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Crop-Faktor: Brennweite und Sensor zusammen denken

Eine Sache verwirrt fast jeden Anfänger: Eine Brennweite gilt immer auf dem Sensor, für den sie gemessen wurde. Standard ist Vollformat (Kleinbild). Wenn du eine APS-C-Kamera hast, beträgt der Crop-Faktor 1,5. Ein 50 mm-Objektiv verhält sich an APS-C wie 75 mm an Vollformat. Bei MFT (Crop 2,0) wird daraus sogar 100 mm.

Praktisch heißt das: Wenn jemand schreibt “50 mm Festbrennweite ist die ideale Porträt-Brennweite”, meint er Vollformat. An APS-C wäre das Äquivalent ein 35 mm-Objektiv, an MFT ein 25 mm. Wenn ich in diesem Beitrag von Brennweiten spreche, meine ich immer das Vollformat-Äquivalent. Diese Konvention hat sich eingebürgert, weil sie Vergleiche zwischen Kameras ermöglicht. Tieferen Einstieg gibt’s im Crop-Faktor-Beitrag.

Welche Brennweite für welchen Einsatz

Hier mal mein praktischer Spickzettel, an dem du dich orientieren kannst:

Für Landschaft: 14 mm bis 35 mm. Weitwinkel mit etwas Detail, oder Ultraweitwinkel für dramatische Tiefe.

Für Reise und Reportage: 24-70 mm Standardzoom oder 35 mm Festbrennweite. Vielseitig, leicht, nicht zu auffällig.

Für Porträt: 50 mm, 85 mm oder 135 mm. Je länger, desto schmeichelhafter die Gesichtsproportion.

Für Sport und Wildlife: 70-200 mm minimum, eher 100-400 mm oder 200-600 mm.

Für Architektur und Innenräume: 16 mm bis 24 mm Weitwinkel. Ideal mit Tilt-Shift, falls du es in der Liga ernst meinst.

Für Makro: 90 mm bis 100 mm Makro-Objektive. 1:1-Abbildung ist hier der Schlüssel.

Brennweite verändert auch die Wirkung von Schärfentiefe

Eine Sache, die Anfänger oft überrascht: Die Schärfentiefe hängt nicht nur von der Blende ab, sondern auch von der Brennweite. Bei langen Brennweiten wirkt die Schärfentiefe flacher als bei kurzen. Ein 200 mm bei f/4 freistellt das Motiv schöner als ein 24 mm bei f/2.8, einfach weil das Tele den Bildausschnitt komprimiert.

Daraus ergibt sich auch das berühmte Bokeh, also der ästhetisch unscharfe Hintergrund. Lange Brennweiten und offene Blende sind die klassische Kombination dafür. Wenn du dich fragst, warum Profi-Porträtfotografen mit 85 mm f/1.4 oder 135 mm f/1.8 arbeiten, ist das die Antwort: Maximale Freistellung mit kontrollierter Komprimierung des Hintergrunds.

Was du aus diesem Post mitnimmst

Brennweite ist Bildausschnitt Höhere Zahl heißt schmaler Bildwinkel und nähergeholtes Motiv.
Drei Bereiche, drei Wirkungen Weitwinkel räumlich, Normal natürlich, Tele isoliert.
Brennweite gilt am Vollformat Bei APS-C oder MFT mit Crop-Faktor multiplizieren.
50 mm ist der ideale Einstieg Lichtstark, günstig, lehrreich, vielseitig.
Brennweite beeinflusst Bokeh Lange Brennweite plus offene Blende plus weniger Schärfentiefe.

Im nächsten Beitrag schauen wir uns an, ob du dich für eine Festbrennweite oder ein Zoomobjektiv entscheiden solltest. Spoiler: beides hat seine Berechtigung, und es kommt sehr darauf an, was du fotografierst.

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