Der Crop-Faktor ist einer der Begriffe, an denen viele Fotoeinsteiger hängenbleiben. Du liest, ein 50mm-Objektiv wird an einer APS-C-Kamera plötzlich zu 75mm. Was bedeutet das? Holt der Sensor Motive näher heran? Verändert sich die Brennweite wirklich? Hier räumen wir mit dem Missverständnis auf.
Sobald du dich mit Kameras und Objektiven beschäftigst, taucht der Crop-Faktor auf. Du wirst ihn beim Objektivkauf wieder treffen, beim Vergleich verschiedener Sensorgrößen, beim Wechsel von einer Crop-Kamera auf Vollformat. Hier verstehst du, was wirklich passiert, wann der Crop-Faktor dein Freund wird und wann er dir in die Quere kommt.
Brennweite, ein Mini-Crashkurs
Bevor wir uns den Crop-Faktor anschauen, muss klar sein, was Brennweite eigentlich ist. Die Brennweite eines Objektivs gibt den Abstand zwischen optischem Mittelpunkt der Linse und dem Sensor an, gemessen in Millimetern. Eine kurze Brennweite (zum Beispiel 24mm) liefert einen weiten Bildwinkel und zeigt viel von der Szene. Eine lange Brennweite (zum Beispiel 200mm) liefert einen schmalen Bildwinkel und vergrößert den Bildausschnitt.
Diese Werte sind ursprünglich auf den 35mm-Kleinbildfilm bezogen, der heute unter dem Namen Vollformat bekannt ist. Ein 50mm-Objektiv an einer Vollformat-Kamera zeigt ungefähr das, was dein Auge auch sieht. 24mm ist Weitwinkel, 85mm ist klassische Porträtbrennweite, 200mm ist schon Tele.
Was beim kleineren Sensor passiert
Wenn du jetzt das gleiche 50mm-Objektiv vor einen APS-C-Sensor setzt, ändert sich an der Brennweite physikalisch nichts. Die 50mm bleiben 50mm. Was sich ändert, ist der Bildausschnitt. Der kleinere Sensor sieht nur einen Teil dessen, was das Objektiv abbildet. Genau das nennt man Crop, vom englischen to crop, beschneiden.
Der Crop-Faktor sagt dir, um welchen Faktor der kleinere Sensor das Bild beschneidet. Bei den meisten APS-C-Kameras liegt dieser Faktor bei 1,5 (Sony, Nikon, Fuji) oder 1,6 (Canon). Bei Micro Four Thirds sind es 2,0. Multiplizierst du die Brennweite mit dem Crop-Faktor, bekommst du die effektive Brennweite, also den Bildwinkel, den du tatsächlich aufgenommen hast.
Ein Beispiel: Ein 50mm-Objektiv an einer APS-C-Kamera mit Crop-Faktor 1,5 verhält sich wie ein 75mm-Objektiv an Vollformat. An MFT mit Faktor 2 verhält es sich sogar wie ein 100mm-Objektiv. Das Motiv wird scheinbar herangeholt, aber tatsächlich wird nur der äußere Bildbereich abgeschnitten. Die Brennweite ist immer noch 50mm.
Wann der Crop-Faktor dir hilft
Bei langen Brennweiten ist der Crop ein Geschenk. Sport, Tiere, Vögel, alles, was weit weg ist und nahe rangeholt werden soll, profitiert. Ein 200mm-Objektiv an APS-C wirkt wie ein 300mm an Vollformat. Du sparst Geld, Gewicht und Größe. Profi-Tele-Objektive jenseits 300mm sind teuer, schwer und sperrig. Mit einer Crop-Kamera bekommst du den Effekt günstiger.
Auch bei der Schärfentiefe gibt es einen kleinen Vorteil: Crop-Kameras zeigen tendenziell mehr Schärfentiefe bei gleicher Blende. Wenn du Landschaften oder Architektur fotografierst und alles scharf haben willst, hilft das.
Wann der Crop-Faktor dich nervt
Im Weitwinkelbereich nervt der Crop richtig. Ein 24mm-Objektiv, das an Vollformat ein angenehmes Weitwinkel ist, wird an APS-C zu 36mm. Aus dem Weitwinkel wird ein normaler Blickwinkel. Wenn du echtes Weitwinkel willst, brauchst du an Crop-Kameras Objektive mit kürzerer Brennweite, also zum Beispiel 16mm oder 12mm. Die sind speziell für Crop-Sensoren gerechnet, optisch aufwendig und entsprechend teuer.
Auch beim Vergleich von Lichtstärken gibt es Verwirrung. Ein f/2.8-Objektiv an APS-C verhält sich beim Bildwinkel wie ein längeres Vollformat-Objektiv, aber die Lichtmenge bleibt f/2.8. Beim Effekt für die Schärfentiefe wirkt es allerdings, als wäre die Blende um den Crop-Faktor weiter geschlossen. Wenn dir cremiger Hintergrund wichtig ist, fährst du mit Vollformat einfacher.
Was du aus diesem Post mitnimmst
| Brennweite ist physikalisch fest | Ein 50mm-Objektiv bleibt 50mm, egal an welchem Sensor. |
| Der Sensor schneidet nur aus | Der kleinere Sensor sieht weniger vom Bildkreis, was wie Vergrößerung wirkt. |
| Crop hilft beim Tele | Sport, Tiere, alles weit weg. Ein günstiger Boost für die effektive Brennweite. |
| Crop nervt beim Weitwinkel | Aus 24mm werden 36mm. Echtes Weitwinkel braucht spezielle Crop-Objektive. |
Damit hast du die wichtigsten Sensor-Themen gemeistert. Im nächsten Beitrag schauen wir uns an, welche Kameratypen es überhaupt gibt und für wen sich welche Bauform lohnt: von der Bridge-Kamera über die Action-Cam bis zur Polaroid.
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