Hammersmith Kaserne in Herford
Lost Places Fotografie Militär NRW OWL

Die Hammersmith Kaserne – Teil 2

Aktuell werden in der verlassenen Hammersmith Kaserne in Herford offizielle Führungen angeboten. Mit im Angebot sind auch zweistündige Fototouren, auf denen man sich komplett selbstständig auf dem alten Gelände bewegen darf und das konnte ich mir nicht entgehen lassen.

Hammersmith Kaserne

Vor Ort angekommen bin ich zuerst einmal etwas überwältigt von der Größe des Areals. Bereits bei der Anfahrt bin ich durch die anderen Abschnitte der Kaserne gefahren, die bereits umgebaut worden sind und konnte sehen, wie groß dieses Gelände einmal gewesen ist. Ich beginne etwas planlos meine Tour einfach mit dem ersten Gebäude, an dem ich vorbeikomme.

Es ist die alte Kantine, die ich gerade über einen Seiteneingang betrete. Es riecht nach altem Fett und man kann, trotz der fehlenden Geräte noch genau erkennen, wo hier was gemacht worden ist. Durch die Großküchen erreiche ich die Essensausgabe und die Räume, in denen die Soldaten dann wahrscheinlich gegessen haben. Hier und da liegen noch ein paar zerschmissene Teller und Tassen herum. In den weiteren Stockwerken finde ich hier noch weitere Aufenthaltsräume, ein kleines Kino und eine Kneipe. So wie es hier riecht, wussten die Soldaten auch, wie man feiert.

Weiter geht es in das nächste Gebäude. Hier ist eine große Sporthalle untergebracht. Der Holzfußboden hat sich nach oben gedrückt und es riecht bereits sehr muffig. Auch wenn ich überall spannende Motive finden kann, ist es für mein Empfinden alles noch etwas zu wenig verfallen. Noch viel interessanter wäre es, wenn die Natur hier schon weiter in die Gebäude eingedrungen wäre. Das würde allerdings auch bedeuten, dass die Gebäude wahrscheinlich nur noch mit erheblichem Aufwand nachgenutzt werden könnten.

Als weiteres spannendes Highlight dieser Tour schließt sich der Krankenhaustrakt der Kaserne an. Hier sind sogar noch ein paar Geräte montiert, mit denen die Patienten untersucht werden konnten. Direkt neben diversen Wartezimmern und Untersuchungsräumen schließen sich die OPs an. Die Stimmung hier ist irgendwie beklemmend.

Die zwei Stunden der Fototour sind sehr knapp bemessen und so muss ich mich gefühlt bereits nach kurzer Zeit wieder auf den Rückweg machen. Ich werde diesen Ort auf jeden Fall noch ein weiteres Mal besuchen, um mir in Ruhe die restlichen Bereiche anzuschauen.

Für alle die, die sich dieses Gelände auch noch anschauen möchten, empfehle ich entweder ein Stativ, oder ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv. Ich hatte zwar mein Stativ dabei, aber vom Stativ zu fotografieren hätte zu viel Zeit gekostet und ich bin ohnehin mit den zwei Stunden nicht hingekommen.

Ich bin aber ohnehin seit über einem Jahr auf der Suche nach einem guten und vor allem lichtstarken Weitwinkel, damit ich auf meinen Touren auch ohne Stativ große Säle und Hallen einfangen kann. Aktuell liebäugle ich mit dem Canon RF 35mm f1.4 L VCM. Wenn du noch einen anderen Tipp hast: Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen. Eine weitere Anforderung an das neue Objektiv ist auf jeden Fall auch ein RF Bajonett, da das Wechseln von Objektiven inklusive Adapter unterwegs einfach zu umständlich ist.


Die Geschichte der Hammersmith Kaserne

Ursprünglich als Estorff-Kaserne bekannt, diente das Gelände seit dem 19. Jahrhundert militärischen Zwecken. Doch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann ein neues Kapitel, als die britische Armee das Gelände übernahm.

Nachkriegszeit und britische Besatzung
Im Jahr 1945, nach dem Endes des Zweiten Weltkrieg, wurde Herford von den Alliierten besetzt, und die britische Armee übernahm das Gebiet. Die Estorff-Kaserne wurde in Hammersmith-Kaserne umbenannt und diente fortan als wichtige militärische Einrichtung der Briten. Über Jahrzehnte hinweg prägte die Präsenz der britischen Streitkräfte das Stadtbild von Herford.

Abzug der Britischen Streitkräfte und Beginn der Konversion
Im Jahr 2010 kündigten die britischen Streitkräfte ihren Abzug an, der schließlich 2015 vollständig abgeschlossen wurde. Seitdem stand das Areal leer, was eine Chance für die Stadt Herford bot, das Gelände neu zu entwickeln und einer zivilen Nutzung zuzuführen.

Die Umwandlung des Geländes begann 2019 mit dem Projekt “Drei Geschwister”. Hierbei wurden drei ehemalige Mannschaftsunterkünfte in moderne Appartements für Studierende umgebaut. Diese Gebäude wurden umfassend saniert und modernisiert, wobei Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle spielte. Die Flachdächer wurden als Gründächer ausgeführt und mit Photovoltaikanlagen ausgestattet, was die ökologische Ausrichtung des Projekts unterstreicht. Die modernen Wohnräume bieten flexible Nutzungsmöglichkeiten und tragen zur Belebung des Areals bei.

Weitere Entwicklung und Zukunftspläne
Ende 2023 erwarb die Stadt Herford die restlichen acht Hektar der ehemaligen Kaserne von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Für die Zukunft ist geplant, auf dieser Fläche ein modernes, gemischtes Wohnquartier zu entwickeln. Das geplante “Hammersmith Quartier” soll neben Wohngebäuden auch Einrichtungen für die Nahversorgung, Büros und eine Kindertagesstätte umfassen. Ziel ist es, ein nachhaltiges und flächenschonendes Wohnumfeld zu schaffen, das den Bedürfnissen einer modernen Stadtgesellschaft gerecht wird.

Das Architektur- und Stadtplanungsbüro Astoc Architects and Planners GmbH hat bereits einen städtebaulichen Rahmenplan erarbeitet, der den Wandel des Wohnens berücksichtigt. Dabei wird besonders auf barrierefreie und altengerechte Wohnungen geachtet, die flexibel genutzt werden können und eine hohe Lebensqualität bieten.

Die Geschichte der Hammersmith-Kaserne in Herford ist ein Beispiel für die erfolgreiche Umnutzung ehemaliger Militärflächen. Von einer militärischen Einrichtung hat sich das Gelände zu einem modernen und lebendigen Stadtquartier entwickelt. Dieser verlassene Ort wird also im Laufe der nächsten Jahre komplett verschwunden sein.



Komm mit auf einen Rundgang durch die Hammersmith Kaserne.

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Kurze Fakten

Kategorie: Militäranlagen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Erkundet am: 04.07.2024
Baujahr: 1934
Verlassen seit: 2015
Gesamtfläche: Keine Angabe
Noch begehbar: Ja
Denkmalschutz: Keine Angabe
Architekt: Keine Angabe
Quellen: Keine Angabe
Copyright: Pixelgranaten

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An dieser Stelle sei der Vollständigkeit halber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Betreten und Erkunden von verlassenen Orten nicht nachzuahmen ist. Niemand sollte sich durch diese Bilder zu Straftaten animieren lassen. Verlassene Gebäude ohne Erlaubnis des Eigentümers zu betreten ist illegal. Es kann direkt zur Anzeige gebracht werden und dazu noch sehr gefährlich sein. Die beschriebenen Erfahrungen müssen nicht die eigenen sein und sind zum Teil fiktiv.

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