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Heilstätte Grabowsee
Brandenburg Fotografie Gesundheit & Heilung Lost Places

Heilstätte Grabowsee

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg die Zahl der Lungenkranken im Deutschen Reich stark an. Etwa ein Drittel aller Patienten im Alter zwischen 15 und 60 Jahren litt an Lungentuberkulose. Wir haben die geheimen Tunnel und großen Hallen der Heilstätte Grabowsee erkundet.

An der ehemaligen Heilstätte Grabowsee angekommen, werden wir vom Vereinsleiter in Empfang genommen. Er erzählt uns etwas über die Geschichte, welche Filmstars er hier schon gesehen hat und gibt uns noch einen Lageplan mit an die Hand. Wir dürfen uns überall frei bewegen. Die Teile des Geländes, die mit Flatterband abgesperrt sind, sollen wir aber meiden.

Um uns irgendwie zu orientieren, laufen wir einfach erstmal um die Gebäude herum. In einem kleinen Wäldchen entdecken wir eine halb eingefallene Kapelle. Das Dach fehlt komplett, einige Fassadenteile sehen aber noch unberührt aus. Sie steht direkt am See. Der Ausblick ist einfach wunderbar.
Weiter geht es durch den riesigen Innenhof, der bestimmt einmal toll bepflanzt war. Hier konnten die Patienten und Besucher früher einmal die Sonne genießen.

Wir betreten das Hauptgebäude durch einen der Seiteneingänge. Hier warten, wie so oft, endlose lange Flure auf uns. Überall liegt Schutt herum. Inventar sucht man hier vergebens. Hier hat jemand ganze Arbeit geleistet. In einem der oberen Stockwerke sind Löcher im Boden. Durch sie hindurch kann man die darunterliegenden Flure sehen. Wir müssen hier wirklich sehr vorsichtig sein. Wir entschließen uns dazu, in den Kellern nach irgendwelchen Hinterlassenschaften zu suchen.

Wie auch in anderen Klinikkomplexen, waren die Gebäude der Heilstätte Grabowsee durch unterirdische Gänge miteinander verbunden. Vor eben solch einem Tunnel stehen wir nun. Wir entschließen uns, diesem Tunnel zu folgen und sind gespannt, wo wir herauskommen würden. Der Tunnel ist ungefähr 1,50 Meter hoch und ebenso breit. Es ist stockdunkel und auf dem Boden finden sich Schienen. Wir laufen geduckt einfach nur geradeaus. Ohne unsere Taschenlampen wären wir hier absolut aufgeschmissen. Schon nach ungefähr 100 Metern merken wir, dass es vielleicht keine gute Idee war, diesen Tunnel entlangzulaufen. Die Oberschenkel und Waden machen sich bemerkbar. In dieser stark geduckten Haltung bewegt man sich eher selten und genau das lassen uns unsere Körper auch spüren. Plötzlich blockiert irgendwas unseren Weg. Beinahe wären wir einfach in eine Art Lore gelaufen. Mit dieser wurden damals irgendwelche Waren zwischen den Gebäuden hin und her transportiert. Endlich sehen wird einen schwachen Lichtschein. Wir haben es geschafft. Mit schmerzenden Beinen laufen wir die Kellertreppe nach oben und genießen unsere zurückgewonnene Freiheit.

Die Geschichte der Heilstätte Grabowsee

Die Volksheilstätte am Grabowsee war die erste Klinik ihrer Art des Deutschen Roten Kreuzes. Sie war zunächst als eine Versuchseinrichtung geplant. Es sollte erforscht werden, ob Lungentuberkulose auch im norddeutschen Flachlande behandelt werden könne. Hierfür wurden zunächst 27 Baracken errichtet. Nach vielen Behandlungserfolgen wurden die Barracken abgerissen und die eigentliche Heilstätte Grabowsee errichtet.

Im Jahr 1900 standen so bereits 200 Betten zur Verfügung. Während der vier Jahre des Ersten Weltkriegs wurde Grabowsee vom Roten Kreuz als Lazarett zur Behandlung lungenkranker Soldaten genutzt. Bis 1918 wurden hier sogar Kriegsgefangene untergebracht.

Der Krieg und die Inflationszeit brachten die Heilstätte in große wirtschaftliche Not. Der Volksheilstättenverein verkaufte die Anstalt am 1920 an die Landesversicherungsanstalt Brandenburg. Ab 1926 wurden Erweiterungsbauten errichtet, sodass die sich Zahl der Betten bis in die 1930er Jahre auf etwa 420 verdoppelte.

Es gab hier drei große Pavillons, ein Wirtschaftsgebäude mit Küche, einen Speisesaal, Geschäftszimmer, Wohnzimmer des Oberinspektors, Personalzimmern, ein Maschinenhaus, ein Waschhaus mit Desinfektionsanstalt und Beamtenwohnungen, eine Gasanstalt, eine Kirche, ein Chefarzthaus, 10 Liegehallen, ein Gewächshaus und ein Stallgebäude mit Wohnung für Kutscher und Gärtner.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie von 1945 bis 1995 als sowjetisches Lazarett genutzt. Heute ist das Gelände eine beliebte Kulisse für Filme und Fotografien. Guckt man den Film Monuments Men – Ungewöhnliche Helden, so erkennt man einige Gebäude aus der Heilstätte wieder.

Die Gebäude weitestgehend leergeräumt. In den Kellern finden sich hin und wieder noch etwas Inventar. Der Putz ist größtenteils von den Wänden geplatzt oder geschlagen. Die Scheiben sind eingeworfen. Man kann sich aber noch sehr gut vorstellen, wie beeindruckend die Heilstätte Grabowsee einmal gewesen sein muss.

Es gibt noch weitere Bilder unseres Besuchs der Heilstätte Grabowsee. Hier findest du die weiteren Bilder dieser Serie:

Komm mit auf einen Rundgang durch die Heilstätte Grabowsee.

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Kurze Fakten

Kategorie: Gesundheit & Heilung
Bundesland: Brandenburg
Erkundet am: 05.09.2015
Baujahr: 1900
Verlassen seit: 1995
Gesamtfläche: 34 Hektar
Noch begehbar: Ja
Denkmalschutz: Keine Angabe
Architekt: Keine Angabe
Quellen: Keine Angabe
Copyright: Pixelgranaten.de

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Randnotiz:

An dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Betreten und Erkunden von verlassenen Orten nicht nachzuahmen ist. Niemand sollte sich durch diese Bilder zu Straftaten animieren lassen. Verlassene Gebäude ohne Erlaubnis zu betreten ist illegal, kann direkt zur Anzeige gebracht werden und dazu noch sehr gefährlich sein. Die beschriebenen Erfahrungen müssen theoretisch nicht die eigenen sein.

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6 Kommentare

  • Antworten
    Lars
    15. Dezember 2018 um 17:42

    Schöne Fotos, Daniel. Besonders gefällt mir das Bild mit dem Flügel. Da möchte man sich doch gleich in das Sofa im Sonnenschein aus dem anderen Bild setzen und dem Flügelspiel lauschen.

    • Antworten
      Daniel
      19. Dezember 2018 um 19:32

      Ich danke dir! Ich hoffe, dass ich es bald noch mal dahin schaffe und ein paar ordentliche Videos machen kann.

  • Antworten
    Sebastian
    22. Juni 2019 um 05:35

    Beeindruckende Fotos, sehr schön wie du die Bildausschnitte und das Licht in Szene setzt. Danke, dass du dieses Stück Geschichte für alle durch deine Erkundungen festhälst. Leider ist die Qualität des Videos nicht so gut, was mich allerdings nicht davon abhält, es zu Ende zuschauen und ein “Gefällt” dazulassen, für die Mühe und Zeit, die du investiert hast.
    Beste Grüße,
    Sebastian

  • Antworten
    Daniel
    22. Juni 2019 um 11:40

    Dankeschön für dein Lob – Es freut mich immer, wenn sich jemand dazu äußert. Die Videokamera war leider nicht die Beste. Ich habe aber vor, die Heilstätte noch mal zu besuchen und dann nehme ich eine bessere Kamera mit.

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

  • Antworten
    Carina Jerichow
    1. Juli 2019 um 19:39

    Hallo Daniel, wirklich schöne Fotos. Da würde ich mich auch gern einmal umsehen. Kommt man denn gut in die Gebäude hinein?. Du hattest ja schon erwähnt, dass jetzt oft alles sehr gut dicht gemacht ist…Gruß…Car..

    • Antworten
      Daniel
      2. Juli 2019 um 07:47

      Hi Carina! Ich war selbst schon länger nicht mehr da und kann dir da nicht wirklich weiterhelfen.

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