Ein gutes Objektiv kann dich wirklich Jahrzehnte begleiten, wenn du es richtig pflegst. Es kann dir aber auch innerhalb von ein paar Wochen unscharfe Bilder liefern, wenn du falsch reinigst oder es feucht lagerst. Ich zeige dir die Werkzeuge und Routinen, mit denen meine eigenen Objektive seit Jahren in Topform bleiben – ohne dass du dafür zum Reinigungs-Fanatiker werden musst.
Objektive sind eigentlich robuster, als viele denken. Sie überleben Regen, Schnee, Sand und gelegentliche Stöße meistens unbeschadet. Trotzdem braucht jedes Objektiv ein bisschen Zuwendung, vor allem wenn du es regelmäßig nutzt. Die wichtigste Regel vorweg: So wenig reinigen wie möglich, so oft wie nötig. Jeder Kontakt mit der Frontlinse ist ein Risiko. Schauen wir uns an, wie das ordentlich läuft.
Was du wirklich für die Reinigung brauchst
Die gute Nachricht: Du brauchst nicht viel. Ein vernünftiges Reinigungsset für Objektive kostet unter 30 Euro und reicht für Jahre.
Blasebalg (Blower): Ein kleiner Gummiblaser, mit dem du Staub von der Frontlinse pustest. Niemals aus dem Mund pusten: In deinem Atem ist immer Feuchtigkeit und manchmal Speichel-Spritzer. Beides ist das letzte, was du auf der Frontlinse haben willst. Auch keine Druckluft aus der Dose, die kann Treibmittel mitschleudern, das hinterlässt Flecken. Die Marke ist eigentlich egal, der Giottos Rocket Air ist seit Jahren der Klassiker und bei mir seit Tag eins im Einsatz.
Pinsel mit feinen Naturhaaren: Für hartnäckigen Staub, den der Blasebalg nicht wegbekommt. Wichtig: Den Pinsel wirklich nur für Objektive nutzen, niemals für andere Sachen. Sonst überträgst du Öl oder Fett auf die Linse. Praktisch finde ich den LensPen, der hat einen Pinsel auf der einen Seite und einen Reinigungs-Stempel auf der anderen. Passt in jede Fototasche und kostet ein paar Euro.
Mikrofasertuch: Für leichte Fingerabdrücke oder Schlieren. Speziell für Optik gemacht, nicht das Brillenputztuch vom Drogeriemarkt. Tücher von B+W, Hama oder Zeiss kosten 3 bis 8 Euro und du solltest sie regelmäßig waschen, am besten bei 60 Grad und ohne Weichspüler. Weichspüler hinterlässt einen Film, der dir später auf der Linse Schlieren produziert.
Reinigungslösung: Für richtig hartnäckige Verschmutzung wie Fett, Sonnencreme-Spritzer oder eingetrocknetes Spritzwasser. Etabliert sind ROR (Residual Oil Remover) und Eclipse von Photographic Solutions, beide um die 10 bis 15 Euro für ein kleines Fläschchen, das ewig hält. Niemals Glasreiniger aus dem Haushalt: Die enthalten Tenside und Ammoniak, das greift die Vergütung der Linse direkt an.
Die richtige Reihenfolge
Beim Reinigen gehst du immer von sanft nach gröber vor. Wenn der erste Schritt reicht, hörst du auf.
Schritt 1, Blasen: Halte das Objektiv so, dass die Frontlinse nach unten zeigt, damit Staub durch die Schwerkraft wegfällt. Mit dem Blasebalg aus 5 bis 10 Zentimeter Abstand pusten. Bei den meisten Verschmutzungen war das schon alles.
Schritt 2, Pinseln: Wenn Staub festsitzt, vorsichtig mit dem Pinsel von der Mitte zum Rand bürsten. Nicht drücken, nur sanft bewegen. Anschließend wieder mit dem Blasebalg ausblasen.
Schritt 3, Mikrofasertuch trocken: Bei Schlieren oder leichtem Fingerabdruck mit dem trockenen Mikrofasertuch in kreisförmigen Bewegungen von der Mitte nach außen wischen. Niemals hin und her wischen, das schiebt den Schmutz nur herum.
Schritt 4, Reinigungslösung: Nur bei richtig hartnäckiger Verschmutzung. Ein paar Tropfen auf das Mikrofasertuch geben, niemals direkt auf die Linse sprühen. Sonst läuft Flüssigkeit ins Gehäuse oder unter die Frontlinse. Dann wieder kreisförmig wischen. Nachher mit dem trockenen Tuch nachpolieren.
Was du auf keinen Fall machen solltest
Niemals trocken über trockene Linse wischen: Wenn Staubkörner drauf sind, kratzt das Mikrofasertuch sie über die Vergütung. Erst blasen, dann wischen.
Niemals Spucke benutzen: Klingt absurd, ich habe das tatsächlich schon ein paar Mal live gesehen. Spucke enthält Säuren und Bakterien, die langfristig die Vergütung angreifen. Wenn du draußen nichts dabei hast, lass die Linse lieber dreckig, bis du wieder zu Hause bist.
Niemals Haushaltsmittel: Glasreiniger, Brillenputz-Spray, Alkohol-Tücher aus der Apotheke. Die Vergütung moderner Objektive ist eine empfindliche Beschichtung, die du mit aggressiven Reinigern zerstören kannst.
Sensor-Reinigung lieber durch Profi: Das ist eigentlich nicht Teil der Objektivpflege, sondern Kamera-Pflege. Wenn du Flecken im Bild siehst, die immer an derselben Stelle sitzen, egal welches Objektiv du nutzt: Sensor-Staub. Lass das vom Hersteller oder einem Fachhändler machen, kostet bei APS-C oder MFT meistens 39 Euro, bei Vollformat eher 59 bis 90 Euro. Wenn du selbst willst, gibt es Sensor-Swabs und Eclipse-Lösung von Photographic Solutions. Vorsicht ist trotzdem Pflicht: Ein zerkratzter Sensor kostet schnell vierstellig.
Lagerung und Transport
Auch im Schrank passiert was. Schimmel ist der größte Feind, vor allem in feuchten Klimazonen oder schlecht belüfteten Räumen. Die Sporen siedeln sich gerne im Inneren des Objektivs an und sind dort praktisch nicht zu entfernen, ohne das ganze Objektiv zu zerlegen. Eine Reparatur kostet dann schnell so viel wie ein gebrauchtes Ersatzobjektiv. Wegwerfen oder leben damit, beides ärgerlich.
So lagerst du richtig:
Trocken und temperaturkonstant: Schlafzimmer oder Wohnzimmer, auf keinen Fall im feuchten Keller oder auf dem Dachboden. Ideal sind 40 bis 60 Prozent Luftfeuchtigkeit, ein günstiges Hygrometer für ein paar Euro zeigt dir das zuverlässig.
Mit Trockenmittel: Silikagel-Beutel in der Fototasche oder im Schrank helfen, Feuchtigkeit zu binden. Indikator-Beutel zeigen dir per Farbwechsel, wann sie gesättigt sind (orange wird grün, blau wird rosa). Dann kannst du sie im Backofen bei 100 bis 110 Grad ein bis zwei Stunden regenerieren, Ofentür einen Spalt offen lassen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Heißer als 120 Grad nicht, sonst zerstörst du das Granulat.
Mit Verschlussdeckel: Vorne und hinten Deckel drauf. Klingt selbstverständlich, vergesse ich nach einem langen Foto-Ausflug trotzdem immer wieder.
Im Sommer aus der Wärme: Auto in der Mittagssonne ist Gift für Objektive. Hitze plus Feuchtigkeit kann die Dichtungen und das Schmiermittel im Inneren angreifen.
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Temperaturwechsel und Beschlag
Eine Situation, die irgendwann jeden trifft: Du fotografierst im Winter draußen und kommst in einen warmen Raum. Die Frontlinse beschlägt sofort. Mit etwas Pech beschlägt auch die Innenoptik, weil Feuchtigkeit zwischen die Linsen wandert. Das kann tagelang dauern, bis es wieder trocken ist – und im schlimmsten Fall begünstigt es eben genau die Schimmel-Bildung von oben.
Vermeidung: Das Objektiv noch draußen in der Kälte in eine Plastiktüte stecken und gut verschließen. Wichtig ist, dass die kalte Luft mit eingeschlossen wird, sonst funktioniert der Trick nicht. Im warmen Raum dauert es dann eine halbe Stunde bis zu zwei Stunden, je nach Temperaturunterschied, bis sich alles angepasst hat. Erst wenn die Tüte trocken ist, holst du das Objektiv raus. Der Beschlag kondensiert dann an der Tüte, nicht am Objektiv.
Der umgekehrte Weg von warm nach kalt ist meistens unproblematisch, weil sich die Luft im Objektiv zusammenzieht. Trotzdem würde ich das Objektiv ein paar Minuten draußen akklimatisieren lassen, bevor du sofort drauflos fotografierst.
Was du aus diesem Post mitnimmst
| So wenig wie möglich reinigen | Jeder Kontakt mit der Frontlinse ist ein Risiko. |
| Reinigung Schritt für Schritt | Blasen, pinseln, trocken wischen, im Notfall Reinigungslösung. |
| Niemals Haushaltsmittel | Vergütung ist empfindlich, nur spezielle Optik-Reiniger. |
| Schimmel ist der größte Feind | Trocken lagern, Silikagel nutzen, gut belüfteten Raum wählen. |
| Temperaturwechsel über Plastiktüte abfangen | Sonst beschlägt das Objektiv innen wie außen. |
Damit hast du im Grunde alles, was du für die Pflege deiner Objektive brauchst. Mit minimalem Aufwand und ein bisschen Routine bleiben deine Linsen tatsächlich Jahrzehnte in Topform. Und damit endet auch das Kamera-und-Objektiv-Kapitel der Serie. Im nächsten Kapitel wechseln wir komplett das Thema und schauen uns die Smartphone-Fotografie an: welche App, welche Einstellungen, wann das Handy wirklich reicht und wann eben nicht. Bis dahin: Linsen sauber halten, aber bitte nicht totputzen.
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