Jahrelang hatte ich zwei Lightroom-Kataloge. Einen auf dem MacBook für unterwegs, einen auf dem Mac Studio für zu Hause. Klingt praktisch, war in Wahrheit ein Sauhaufen.
Mal habe ich auf der Reise bearbeitet, mal am Schreibtisch und irgendwann wusste keiner der beiden Rechner mehr, wo der aktuelle Stand liegt. Favoriten fehlten hier, Sammlungen fehlten dort und am Jahresende beim Fotobuch habe ich die Hälfte meiner Bilder von Hand zusammengesucht.
Dazu kam der eigentliche Wildwuchs. Reisefotos landeten erst auf dem Schreibtisch, dann irgendwann auf dem NAS, einzelne Ordner habe ich doppelt importiert. Am Ende lag dasselbe Bild an drei Stellen, einmal als RAW, einmal als Export, einmal als Kopie in irgendeinem Lost-Places-Ordner. Wer so arbeitet, sucht mehr als er fotografiert.
Diesen Sommer habe ich das komplett neu gebaut. Ein Katalog, ein klares System, alles am selben Ort. Der Weg dahin war allerdings ruppiger als gedacht und genau die Pannen unterwegs sind eigentlich der spannendste Teil.
Ein Katalog, der mitreist
Die Grundidee ist wahnsinnig simpel. Lightroom Classic kann einen Katalog nicht sauber über zwei Rechner synchronisieren, dafür ist er einfach nicht gebaut. Also gibt es künftig nur noch einen einzigen Katalog und der liegt auf einer schnellen externen SSD. Die trage ich zwischen MacBook und Studio hin und her. Die Originale bleiben auf dem NAS, stur nach Jahren sortiert. Die SSD ist die Wahrheit, das NAS das Archiv.
So weit die Theorie. In der Praxis bin ich in fast jede Grube gefallen, die es dabei gibt.
Meine SSD war gar keine SSD
Der erste Katalog auf der externen Platte fühlte sich zäh an. Vorschauen bauten sich träge auf, das Blättern ruckelte. Ich habe erst an Lightroom gezweifelt, dann kurz die Platte getestet. 58 MB pro Sekunde. Das war keine SSD, sondern eine ganz normale mechanische Festplatte im schicken Gehäuse. Für einen Katalog mit tausenden kleiner Zugriffe ist das leider der schlechteste Fall.
Eine echte SSD schafft locker das Zehnfache und der Unterschied ist sofort spürbar. Wer sich also eine externe Platte für den Katalog holt, sollte wirklich zweimal hinschauen, ob SSD draufsteht und auch drin ist. Ich habe getauscht, seitdem läuft es rund.
Warum der Katalog nicht aufs NAS gehört
Kurz war ich versucht, den Katalog gleich mit aufs NAS zu legen. Dann liegt alles an einer Stelle, dachte ich. Das ist tatsächlich einer der schnellsten Wege, sich seinen Katalog zu zerschießen. Zieht mitten im Schreiben das Netzwerk weg, ist die Datei im schlimmsten Fall hin.
Der Katalog will lokal liegen, auf einer schnellen Platte, nur die Originale gehören ins Netz. Auf die SSD kommen also nur Katalog und Vorschauen, die Bilder selbst bleiben auf dem NAS.
Einen Merge lässt man in Ruhe zu Ende laufen
Vor der SSD musste ich erst die beiden alten Kataloge zusammenführen. Der Studio-Katalog war der größere, in den habe ich den vom MacBook importiert. Das dauert bei ein paar hunderttausend Bildern eine ganze Weile und irgendwann verliert man einfach die Geduld.
Genau das war mein Fehler. Als scheinbar nichts mehr vorwärtsging, habe ich Lightroom hart beendet. Danach ließ sich der Katalog erst nicht mehr sauber öffnen, weil eine halbfertige Sperrdatei liegen geblieben war. Zum Glück ist die Katalog-Datenbank robust, Lightroom räumt so einen Rest beim nächsten Start selbst auf. Trotzdem die Lehre: einen laufenden Import oder Merge lässt man durchlaufen, auch wenn der Balken minutenlang stillzustehen scheint.
Die Sache mit den grünen Markierungen
Das war die unangenehmste Lektion. Ich markiere meine Jahresfavoriten seit jeher mit einer grünen Farbmarkierung, daraus entsteht am Ende das Fotobuch. Nur habe ich über die Jahre oft die falsche Datei markiert. Nicht das RAW, sondern das fertig exportierte JPEG.
Als ich beim Aufräumen die ganzen Export-JPEGs aus dem Katalog geworfen habe, waren mit ihnen auch ein paar tausend grüne Markierungen weg. Die hingen eben nur am JPEG, nicht am Original dahinter. Ärgerlich und eigentlich komplett vermeidbar.
Die Lehre ist einfach. Sterne, Markierungen und Stichwörter gehören ans RAW, nie an den Export. Ein Export ist ein Wegwerfprodukt, das RAW ist dein Original. Wer das von Anfang an trennt, kann seine Export-Ordner jederzeit gefahrlos leeren. Und bevor ich überhaupt etwas aus dem Katalog werfe, liegt ein Backup daneben. Aufräumen heißt bei mir immer nur aus dem Katalog entfernen, nie von der Festplatte löschen. Die Originale auf dem NAS fasse ich dabei nicht an.
Das leere Preset-Panel
Fast hätte mich noch ein echter Klassiker zur Verzweiflung gebracht. Nach dem Umzug war das Panel mit meinen Entwicklungs-Presets komplett leer. Ich habe Ordner verschoben, neu importiert, alles Mögliche versucht. Lightroom meldete beim Import nur trocken, die seien längst vorhanden.
Waren sie auch. Es lag an etwas völlig anderem. Ich hatte ein Video ausgewählt und auf Videos lassen sich keine Entwicklungs-Presets anwenden, also blendet Lightroom das ganze Panel einfach aus. Ein normales Foto angeklickt und alles war wieder da. Wenn dein Preset-Panel also mal leer wirkt, prüf zuerst, ob wirklich ein Foto ausgewählt ist und kein Video.
Wie es jetzt läuft
Nach all dem steht das System und es ist zum ersten Mal überall gleich. Ein Katalog auf der SSD, die Originale auf dem NAS und ein festes Ritual beim Rechnerwechsel. Lightroom beenden, SSD auswerfen, am anderen Mac öffnen. Nie parallel. Damit sind die Korruptionsrisiken praktisch vom Tisch.
Damit ich unterwegs auch ohne NAS bearbeiten kann, baue ich Smart Previews. Das sind schlanke Stellvertreter, mit denen sich voll entwickeln lässt, selbst wenn das NAS gerade nicht erreichbar ist. Zu Hause verbindet Lightroom die Originale automatisch wieder, spätestens für den Export in voller Auflösung.
Die eigentliche Ordnung mache ich über Smart Collections, nicht über die Ordnerstruktur. Auf dem NAS liegt alles stur nach Jahren, in Lightroom sortiere ich nach Sinn. Best of pro Jahr über die grüne Markierung, Lieblingsbilder über fünf Sterne, Lost Places nach Bundesland, dazu Personen und Jahreszeiten. Die Jahreszeiten sind mein Liebling, weil sie sich komplett von selbst füllen, einfach über den Aufnahmemonat. Ein Bild taucht so in mehreren Ansichten auf, ohne ein einziges Mal doppelt zu existieren.
Für die Personen nutze ich die Gesichtserkennung. Einmal die immer gleichen Gesichter benannt und Lightroom sammelt über tausende Bilder hinweg. Gerade wenn man ein Kind über Jahre begleitet, ist das eine wahnsinnig schöne Zeitreise auf Knopfdruck.
Neue Reisefotos kommen jetzt in einen Inbox-Ordner auf der SSD, ich bearbeite direkt im einen Katalog und zu Hause ziehe ich den Ordner in Lightroom aufs NAS. Wichtig dabei: Fotos immer in Lightroom verschieben, nie im Finder. Sonst reißt genau die Verknüpfung, die den ganzen Aufwand erst lohnenswert macht.
Was ich mir für die Zukunft gemerkt habe
Bleibt die unbequeme Wahrheit. Der eine Katalog ist bequem, er ist aber auch ein einzelner Ausfallpunkt. Lightroom legt beim Beenden Backups an, die schreibe ich aufs NAS. Dazu klone ich die SSD und sichere die Originale zusätzlich außer Haus. Ein RAID allein ist übrigens kein Backup, auch das musste ich erst begreifen.
Unterm Strich war der Umbau anstrengender als gedacht und trotzdem würde ich ihn sofort wieder machen. Die Bibliothek ist zum ersten Mal richtig aufgeräumt, überall gleich und der Rest passiert von selbst. Ein Katalog, ein Ritual und ein bisschen Demut vor den eigenen Fehlern.
Mich würde wirklich interessieren, wie du deine Fotos verwaltest. Ein Katalog oder mehrere, alles lokal oder auch auf einem NAS? Schreib es gern in die Kommentare.
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