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Jahresprojekt 17/52: Zipfelpass 4 von 4 – Tag 1

Innerhalb von zwei Jahren haben wir alle Zipfel Deutschlands bereist: Görlitz, List auf Sylt, Selfkant und nun Oberstdorf. Bislang bin ich leider immer nur an Bergen vorbei gefahren, nun wollte ich sie erleben. Wenn man schon mal mit dem Zug von Wuppertal nach Oberstdorf reist, dann sollte man auch einige Tage vor Ort bleiben. Deshalb wurden es 10 Tage in Oberstdorf, davon 8 Tage in den Bergen.

Meine Freundin und ich hatten bis dato gar keine Erfahrung in den Bergen, geschweige denn eine Ahnung davon, was uns bei einer Hüttentour erwarten könnte. Glücklicherweise gibt es das Internet, sodass wir einige Erfahrungsberichte über die Steinbocktour lesen konnten. Was uns dann letztendlich aber nur ein wenig geholfen hat, denn: Es war teilweise ein Höllenritt, bei dem wir nicht nur einmal über uns hinaus gewachsen sind. Mit dem Vorwissen wären wir die Tour vermutlich nicht angetreten, aber wir haben es durchgezogen und es hat sich mehr als gelohnt. Alles in allem war es eines der prägendsten Erlebnisse meines Lebens. Rückblickend fühlt sich die komplette Tour unglaublich an, es war allerdings ein hartes Stück Arbeit. Von „was machen wir hier eigentlich gerade?“, über streikende Beine bis hin zu „ich möchte hier nie wieder weg“ war alles dabei.

Doch der Reihe nach: Unsere Tour begann am Fuße der Fellhornbahn. Die bergerfahrenen Menschen lassen die Seilbahn aus und starten direkt unten. Da wir allerdings komplette Anfänger waren, sind wir mit der Seilbahn zur Mittelstation gefahren und haben unsere Steinbocktour dort gestartet. Im „Tal“ (920m) hatten wir um die 30 Grad, auf 1770m waren es 22 Grad. Perfekte Termperaturen zum Wandern, wenn man auf ausreichenden Sonnenschutz achtet. Die komplette Woche über waren wir absolute Glückskinder, denn die Temperaturen hielten sich und von schweren Gewittern wurden wir beim Wandern verschont.

Wie sich auf der Tour herausstellen sollte, war unser Startpunkt goldrichtig. Hätten wir die Tour von unserem Zielpunkt aus gestartet, wären wir anfangs sehr ins straucheln geraten. In knapp 2 1/2 Stunden haben wir unser erstes Ziel, die Fiederepasshütte, erreicht. Die Fiederepasshütte liegt noch gerade so in Deutschland, denn einen Schritt hinter der Hütte beginnt Österreich.
Die Höhenluft hat uns keine Probleme bereitet, es gab mehrere Herausforderungen durch die schmalen Wege, aber alles machbar. Als beste Investition haben sich schon am ersten Tag die Wanderstöcke herausgestellt. Gerade bei sehr steilen Anstiegen sind die Stöcker jeden Cent wert. Dadurch, dass man seine komplette Ausrüstung auf dem Rücken hat (mit Wasser waren es bei uns 12kg), sind die Stöcker zur Stabiliserung und zum „Hochkraxeln“ am Berg wirklich sinnvoll. Bei den Abstiegen haben sich die Wanderstöcke allerdings noch mehr bezahlt gemacht, weil sie dabei sehr entlasten.

Der Anstieg zur Hütte war anfangs brutal. Von unten konnte man die Hütte durch Fahnen schon erkennen, aber für den Anstieg benötigten wir dennoch eine Stunde. Wir hatten rund um Wuppertal wandern „geübt“, aber das kann man nicht ansatzweise mit den Alpen vergleichen. Im Bergischen Land ist es tatsächlich bergig (auch wenn der Name nicht daher kommt), aber im Gegensatz zu den Alpen ist das tatsächlich ein Klacks. Der Weg hinunter war wohl nicht weniger anstrengend, denn alle Wanderer von oben wollten lieber wieder hinauf, als herunter.

Oben angekommen waren wir mächtig stolz. Wir tranken einen Almdudler und erfreuten uns über die fantastische Aussicht. Die erste Lektion in den Berghütten war, dass man sich mit einer Minute warmen Wasser effektiv duschen kann. Auf den Hütten ist warmes Wasser ein teures Gut, da es extra aufbereitet werden muss. Die meisten Hütten hatten warmes Wasser durch Solarenergie, diese Ressource ist nicht nur begrenzt, sondern auch an manchen Tagen gar nicht verfügbar. Außerdem gab es meistens nur eine Dusche (eine Minute warmes Wasser für einen Euro), sodass man die anderen Wanderer ungern länger warten lassen wollte. Nach unserer Wandertour habe ich mich übrigens nicht auf ausgiebigeres Duschen gefreut, sondern auch auf warmes Wasser beim Zähne putzen. Das Wasser aus den Hähnen wird nämlich nicht beheizt und stammt aus den sehr, sehr kalten Bergquellen.

Tag 1: 6km / 367 Höhenmeter / 2,5 Stunden

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2 Kommentare

  • Antworten
    Dieter
    6. November 2018 um 19:28

    Sehr gelungen..!!

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