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Partei bibeltreuer Scammer

Partei bibeltreuer Scammer

Wie beschäftigt man einen Scammer? Eigentlich hatte ich geplant, meinen iMac bei eBay Kleinanzeigen zu verkaufen, aber ich war von vornherein nicht sonderlich zuversichtlich. Die meisten werden wissen, dass man meistens mit irgendwelchen unseriösen Angeboten bombardiert wird und sich wenn überhaupt nur wenige echte Interessenten melden.

Ich hatte noch nicht einmal die E-Mail erhalten, dass meine Anzeige nun online ist, schon hatte ich die ersten Scammer in meinem Posteingang. Das hier ist also nur ein Auszug der Nachrichten, die mich innerhalb von nur 10 Minuten erreicht haben. Alle haben fast denselben Inhalt und alle möchten gerne, dass man seinen Artikel nach England verschickt. Damit sollte schon einmal jedem klar werden, dass es sich nicht gerade um die seriösesten Anbieter handelt.

Ich dachte direkt an einen Blogbeitrag, den ich vor ein paar Tagen gelesen hatte und wollte einfach mal schauen, ob meine Käufer auch so lange mitspielen würden. Nun musste ich mir nur noch einen der angeglichen Interessenten aussuchen. Boza sollte es sein, denn er schien es wirklich dringend zu brauchen. Nachdem er die professionelle Hilfe abgelehnt hatte, gab ich ihm eine Handynummer. Ich war gespannt, was er noch so alles mitmachen würde.

Jemand, der ein Spaghettieis und ein rotes Auto als Profilbild hat, kann kein schlechter Mensch sein. Er fragte mich nach den Versandkosten und einen kurzen Blick auf die Preistabelle bei DHL später, akzeptierte er auch meinen neuen Preisvorschlag ohne Murren. Um sicherzugehen, dass er es wirklich ernst meinte, fragte ich ihn einfach mal direkt, ob er ein Betrüger sei. Da er aber kein Betrüger, sondern Christ ist, konnte nun ja wirklich nichts mehr schiefgehen. Nun wollte er gerne meine Kontodaten haben, aber wer gibt schon gerne seine Daten an jemanden heraus, der einen gerade offensichtlich versucht, zu betrügen?


Richtig – Niemand. Wenn er schon irgendwelche Summen ohne weitere Nachfragen überweisen möchte, dann kann er das auch direkt an Ärzte ohne Grenzen tun. Jetzt musste nur noch ein Name her. Nils ist immer gut und den Nachnamen setzte ich kurzerhand aus Nicht betrügen zusammen. Nils Nibetru hatte also nun Kontodaten und das Gespräch konnte weitergehen.

Es war mal wieder an der Zeit, sich vollkommen ahnungslos zu geben. Artikelbilder? Was meint er? Ich würde gerne einmal wissen, was ihm sein Übersetzungsprogramm zu verstehen gegeben hat. Ich vermute aber, dass meine ganzen kleinen Witzchen vollkommen untergegangen sind. Ich schickte ihm aber natürlich noch brav die Bilder, die er haben wollte. Es sind exakt dieselben, die auch bereits in der Anzeige bei eBay Kleinanzeigen zu sehen waren.


Auch eBay Kleinanzeigen hatte in der Zwischenzeit mitbekommen, dass ich unseriöse Nachrichten bekommen hatte. Schön, dass auch von der Seite Warnungen verschickt werden, denn ich könnte mir vorstellen, dass diese Masche bei vielen Menschen leider noch immer funktioniert. Ansonsten würden die Menschen hinter diesen Accounts wohl kaum so viel Zeit in die Gespräche stecken.

Wo wir gerade noch von untergehen gesprochen haben, wollte ich etwas mehr Dramatik mit in unsere Konversation einbauen. Nachdem ich erfahren hatte, dass es sich bei meiner Gesprächspartnerin um Rose handeln solle, bot es sich natürlich an, ein bisschen über die Titanic zu sprechen. Kurz darauf schickte sie mir dann ein kurzes Video und ein Bild. Auf dem Video ist eine andere Frau zu sehen, als auf dem Bild. Ich wurde skeptisch und jetzt wollte sie auch noch ein Bild von mir haben.


Ich kopierte mir das Bild in die Bildersuche von Google und wurde schnell fündig. Rose schien also nebenbei noch für ein Modelabel zu modeln und ich muss sagen, dass mir der Pullover wirklich gut gefiel. Nun musste also nur noch schnell ein Bild von mir her. Ich gab also in die Bildersuche Dude on the internet selling things ein und nahm einfach den erstbesten Treffer. Rose hätte an dieser Stelle schon stutzig werden können. Wurde sie aber nicht.

Mittlerweile waren knapp zwei Stunden vergangen. Es war Zeit für das Abendgebet. Meine Anspielung mit dem siebten Gebot “Du sollst nicht stehlen!” hat sie leider einfach überlesen. Dann eben nicht. Wieder einmal hatte ihr Übersetzungsprogramm nicht ganz so gute Arbeit geleistet und ich musste ihr noch ein paar Dinge erklären. Kurz darauf legten wir eine kurze Pause ein.


Ich lud das Paket in den Kofferraum meines Autos und fuhr damit zuerst, wie es sich für einen echten Christen gehört, zur Kirche und danach direkt zur Post. Das dachte zumindest Rose. Eigentlich saß ich auf meinem Sofa und suchte bei Google nach passenden Bildern.


Die E-Mail der Bank sah übrigens wirklich wahnsinnig professionell aus. Spätestens hier sollte man also skeptisch werden. Immerhin haben sie sich die Mühe gemacht, noch zwei Gifs einzubauen. Blinkende Grafiken sind schließlich auch im Jahr 2019 noch immer ein Garant für Seriosität.
Partei bibeltreuer Scammer
Nachdem ich sie mit meinem Bildern wieder vollkommen überzeugt hatte, wollte ich sie noch einmal ein bisschen ärgern. Das hat leider auch nicht so richtig funktioniert. Wieder vermute ich, dass uns die Sprachbarriere etwas behindert hat. Ich auf jeden Fall fand den Gag mit dem Optiker ziemlich witzig. Schließlich ging es hier ja auch darum mich zu unterhalten und nicht den Scammer aka. Rose.

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Ich war also bei der Post und hatte das Paket verschickt. Damit wurde Rose merklich stiller und wollte mir plötzlich auch keine weiteren Gefallen mehr tun. Es war an der Zeit, die ganze Sache zum Ende zu bringen. Sie drückte auf die Tränendrüse und das konnte ich nicht so stehen lassen.

Lasst euch nicht verarschen!

How to sell an iMac online fast?* So auf jeden Fall nicht.
*Er ist immer noch zu haben.

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