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Vorgestellt: André Duhme
Fotografie Projekte Vorgestellt

Vorgestellt: André Duhme

Heute stellt sich André vor. Er hat uns einen sehr ehrlichen Text über sich und seine Fotografie geschrieben. Er ist Fotograf und erzählt uns heute seine Geschichte, verschiedene Phasen seines Lebens und hat eine Menge toller Bilder mitgebracht.

Wer bist denn du?

Das ist eine sehr tief gehende Frage. Manchmal bin ich mir da nicht so ganz sicher. Ich bin Fotograf und arbeite als Fotograf, aber meinen letzten Job habe ich vor einigen Monaten fotografiert. Bin ich nun immer noch Fotograf, also so im berufstätigen Sinne und ist mein Beruf überhaupt das, was ich bin. Vermutlich schon, zum Teil jedenfalls. Die Frage ist wirklich nicht so einfach, denn ich befinde mich seit jeher auf der Suche nach dem, was ich denn nun bin, oder sein möchte.

Ich möchte Fotograf sein, aber ich möchte auch ein guter Fotograf sein. Mein Portfolio ist mir schon wieder zu alt und je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger weiß ich, wohin es sich entwickeln sollte. Vor 4 Jahren wollte ich noch Werbung und Editorials fotografieren. Jetzt weiß ich nicht mehr so genau, ob ich das noch möchte. Ich bin mir auch nicht mehr so sicher, ob ich direkt mit der Fotografie Geld verdienen möchte, oder ob es besser indirekt passiert.

Konzepte, die mir ein freies Arbeiten ermöglichen, sind mir im Moment lieber. An manchen Tagen fühle ich mich dann aber eher wie ein passionierter Hobbyist, als jemand der davon lebt. Es ist wohl eine Frage des Standpunktes, also die, wer ich denn bin. Ich bin André. Das ist wohl das, was man mit Sicherheit sagen kann. Ich habe auch mal Medieninformatik studiert, war Motion Designer und habe mit fast jedem Medium gearbeitet, als ich nach dem Studium in Werbeagenturen war. Ich war auch mal Bildjournalist, Hochzeitsfotograf und repariere gerne Autos.

Mir geht es gut, wenn ich Dinge tue, weil ich sie gerne tun möchte, weil sie mich interessieren. Folge ich diesem Pfad kommt immer schnell etwas gutes heraus. Geld motiviert mich nicht so stark, wie mein Neugier und mein ehrliches Interesse, verstehen zu wollen, wie etwas funktioniert. Habe ich es verstanden, wende ich mich manchmal anderen Dingen zu. Manchmal bleibe ich aber auch dabei, weil ich es lieben gelernt habe.
Die analoge Fotografie ist dafür ein gutes Beispiel.

Wie bist du zur Fotografie gekommen und was fasziniert dich so daran?

Als ich studierte, sollten wir das Layout von Magazinen analysieren. Damals kam gerade Anton Corbijns Control raus und im Musikexpress war ein Bericht über ihn als Fotograf. Während ich das Layout ausgemessen habe, haben mich die wenigen Schwarzweißportraits auf den Seiten sehr oft gefesselt. Sie waren so intensiv und kontrastreich, so rau und bestimmt, dass ich einen Gedanken entwickelte, der mir heute noch genauso im Kopf steckt – „Das will ich auch.“

Meine Fotografie schlug dann andere Wege ein, aber in diesem Moment fasste ich den bewussten Entschluss. In den Jahren zuvor habe ich aber schon immer gerne Dinge beobachtet, oder visuelle Zusammenhänge im Alltag gesucht. Es war mir nur noch nicht wichtig genug, relativ viel Geld in die Hand zu nehmen, um mir eine Kamera zu kaufen. Als dann 3 Monate nach dem Bafög-Antrag das erste Geld auf meinem Konto lag, habe ich es komplett für eine kleine Ausrüstung ausgegeben, um dann einige Jahre sehr beliebig und wenig fokussiert zu fotografieren.

Später gab es dann immer wieder Phasen, in denen meine Entwicklung beschleunigt wurde. Eigentlich passierte das immer, wenn sich andere Optionen Geld zu verdienen, auflösten und letztendlich die Fotografie nur noch der einzige Ausweg war. Ich möchte nicht urteilen, ob ich mich selbst in diese Lage gebracht habe, oder ob es sich zufällig so ergeben hat. Beides ist vermutlich gleich wahrscheinlich anzunehmen. Ich hatte oft Glück und Hilfe. Manches erscheint mir rückblickend so unwahrscheinlich, dass ich mich heute nicht mehr dagegen wehre, Fotograf zu sein, oder sein zu wollen. Ich habe mich anfangs sehr dagegen gewehrt, denn damit verdient man ja nichts. Für mich gilt, ich verdiene mit allem anderen nichts.

Wer oder was inspiriert dich?

Alex Webb, Jo Fischer, Ian Howorth, William Eggleston, Robert Capa, so viele, manchmal unbekannte, manchmal historische Fotografen. Ich versuche mich immer mehr an Bücher als an Instagram zu klammern. Hypes sind so schrecklich. Kennt ihr den Moment, wenn man sich an etwas sattgesehen hat, was man einmal mochte?

Was machst du, wenn du nicht mehr weißt, was du fotografieren sollst?

Es passiert selten, dass ich nicht weiß, was ich fotografieren will. Das größere Problem ist eher, dass es nicht immer verfügbar ist. Wir sind visuell so durch die USA geprägt, dass wir nach ähnlichen Motiven suchen, aber dann über Strukturen stolpern, die durch die Erschließung von Städten im Mittelalter geprägt ist, oder durch den Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg.

Teilweise leben wir im visuellen Chaos, zwischen Pflastersteinstraßen und modernster Architektur. Es gibt nur zwei Möglichkeiten dem zu entfliehen. Man entflieht wirklich und reist, oder man macht sich frei von den nicht erreichbaren visuellen Eindrücken, die uns andere liefern und fotografiert, was man eigenen Standort gerade vorfindet. Es muss ja nicht bedeuten, dass wir uns nicht von anderen Fotografen und ihren Werken vom anderen Ende der Welt nicht inspirieren lassen können. Wir müssen nur unseren eigenen Umgang mit dem finden, was vor unserer Nase passiert.

Zeig uns eine Auswahl deiner Bilder

Meine Auswahl bezieht sich vor allem auf das, was ich zur letzten Frage gesagt habe. Seit einigen Wochen war ich immer wieder im Dorf unterwegs und habe im bayrischen Exil versucht, visuelle Konzepte umzusetzen, die man sonst mit anderen Orten viel stärker verbindet. Nimm was du kriegen kannst und mach das Beste daraus.


Wo kann man mehr von dir finden?

Zahlt meine Miete: https://theclassicpresets.com/
Zahlt nicht meine Miete, weil ich erst besser werden muss: https://andreduhme.de/
Ist egal, weil es auf Instagram nicht um Fotografie geht: https://www.instagram.com/andreduhme/
Wächst erst noch, wenn mich nicht die Motivation verlässt: https://www.youtube.com/user/TheNieptier/featured

Wir danken André für seinen Beitrag in unserer Reihe Vorgestellt und Sheila Leitner für das Beitragsbild. Wenn du auch Lust hast, mit dabei zu sein, dann melde dich einfach bei uns. Wir freuen uns über jedes neue Gesicht hinter der Kamera.

Alle dargestellten Bilder wurden uns nur für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt. Wenn du Interesse an den Bildern hast, wende dich bitte direkt an die Fotografin, oder den Fotografen.

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