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Bahnbetriebswerk Rheine
Lost Places Bahn Fotografie NRW Ruhrgebiet

Bahnbetriebswerk Rheine

Das Bahnbetriebswerk Rheine wurde am 23. Juni 1856 in Betrieb genommen. Bereits vor dem ersten Weltkrieg wurde es erheblich ausgebaut und überstand den zweiten Weltkrieg fast unbeschadet. Bis 1983 wurden von hier aus sehr viele Strecken mit Lokomotiven und Zügen versorgt.

Endlich geht die Erkundungstour weiter. Aufgrund der Corona Krise in den letzten Monaten haben wir uns entschlossen, erstmal nicht mehr gemeinsam loszuziehen. Nachdem es nun aber alles wieder etwas besser geworden ist, konnte es heute endlich wieder losgehen. Wir fahren eine lange Landstraße entlang und biegen irgendwann in ein kleines Industriegebiet ein. Lange scheint es das hier noch nicht zu geben. Die Hallen und Häuser sehen alle noch sehr neu aus. Ich gucke aus dem Beifahrerfenster und entdecke eine Gruppe von ungefähr 10 Menschen, die sich gerade begrüßen. Viele von ihnen haben Kamera dabei, andere sind stark geschminkt und tragen viel zu schicke Klamotten für diese Umgebung. Wir müssen hier richtig sein.

Unsere Autos stellen wir am Rand der kleinen Straße ab, packen unsere Sachen zusammen und laufen den Weg entlang, auf dem eben noch die vielen anderen Menschen standen. Nach ein paar Meter treffen wir auf einen Bauzaun. Offensichtlich hat dieser einmal unerwünschte Besucher abhalten sollen, aber diesen Zweck erfüllt er schon lange nicht mehr. Er ist eintreten, niedergerissen und verrostet. Völlig ohne Hindernisse können wir unseren Weg fortsetzen. Direkt hinter dem Zaun treffen wir auf eine kleinere Gruppe von Jugendlichen. Alleine sind wir hier also heute auf keinen Fall. Dieser Lost Place ist offensichtlich kein Geheimnis.

Die ersten Gebäude, die wir entdecken können, waren vermutlich einmal Bürogebäude. Die Räume sind komplett entkernt. Das einzige, was hier noch zu finden ist, ist Müll, leere Farbdosen und Scherben. Die Sonne scheint schon den ganzen Tag mit ganzer Kraft. In den Gebäuden ist es angenehm kühl und die Sonne, die durch die Baumwipfel in die Gebäude fällt, sorgt für ein tolles Licht zum fotografieren.

Alles wirkt sehr marode. Mit angemessener Vorsicht schauen wir uns in den oberen Stockwerken um, aber auch hier gibt es nicht mehr sonderlich viel zu entdecken. Wir beschließen weiterzuziehen. Beim Herausgehen stellen wir noch fest, dass die Keller komplett mit Wasser vollgelaufen sind. Vermutlich ist das der beste Weg, um solche Gebäude wirklich unzugänglich zu machen. Auf dem Wasser schwimmen Unmengen von Müll.

Wir laufen tiefer in den Wald hinein und auf einmal liegt der Ringlokschuppen vor uns. Davor ist ein kleiner Erdwall und wieder stoßen wir auch die Gruppe von Jugendlichen. Sie haben einen Weg auf das Dach entdeckt und erzählen uns davon. Das Dach scheint zwar aus massiven Beton zu sein, aber trotzdem werden wir dort nicht hochklettern. Wir betreten den Ringlokschuppen des Bahnbetriebswerks Rheine. Direkt vor uns liegt eine wahnsinnig große Halle. Hier standen früher die Lokomotiven. Hier wurden sie gewartet, repariert und gepflegt.

Auch hier sind wir aber nicht die einzigen Besucher. Die Gruppe, die wir bei unserer Ankunft schon entdeckt haben, fotografiert hier auch. Ein paar von Ihnen fotografieren sich gegenseitig, andere machen Bilder vom Ringlokschuppen. Ich habe große Mühe, Bilder zu machen, auf denen keine anderen Personen sichtbar sind. Wir entschließen uns deshalb, erstmal weiterzulaufen und auf dem Rückweg noch einmal hier vorbeizuschauen.

Der Weg führt uns in weitere Ruinen, denn das, was wir dort finden, kann man wirklich nicht mehr als Gebäude bezeichnen. Die Dächer fehlen zum Großteil komplett und wenn noch Reste vorhanden sind, wirkt es, als könnten sie bei der kleinsten Windböe herunterfallen. Ich bin wirklich froh, dass das Wetter so gut ist. Ansonsten sollte man sich hier nicht ohne Helm aufhalten. Immer mit einem halben Auge auf die Deckenkonstruktion bewegen wir uns vorsichtig durch die einzelnen Gebäude, oder durch das, was noch davon übrig ist.

Immer wieder müssen wir warten, bis sich die anderen Besucher wegbewegen. Es ist wirklich voll hier. Das mag eventuell am Wetter liegen. Die anderen Ruinen ähneln der, die wir zuerst entdeckt haben. Auch hier findet man nur noch die Grundmauern und vor allem viel Müll. Trotzdem ist es spannend, was sich in diesem relativen dichten Wald alles versteckt hat.

Die Geschichte des Bahnbetriebswerks Rheine

Das Bahnbetriebswerk Rheine kann auf eine lange Eisenbahntradition seit dem 19. Jahrhundert zurückblicken. Das BW Rheine wurde mit dem Bau der Strecke Bahnstrecke Löhne – Rheine am 23. Juni 1856 in Betrieb genommen. Zunächst hatte es einen Reparaturschuppen, bis es dann 1890 mit einer großen Drehscheibe, Kohlenlager und Bühne erweitert worden ist. Der zweite Rundschuppen wurde kurz vor dem Ersten Weltkrieg gebaut. Dieser besaß eine 23 Meter große Drehscheibe. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden nur Regionalzüge bespannt. Nach dem Krieg dann auch Schnellzüge auf der Strecke Niederlande-Hannover-Braunschweig.

Um den öffentlichen Personalverkehr zu gewährleisten, standen im BW Rheine im Jahr 1927 35 Lokomotiven zur Verfügung, von denen täglich 23 dienstbereit gehalten wurden. Monatlich legten diese eine Strecke von über 200.000 Kilometer zurück. Nach Engpässen der Wasserversorgung zwischen 1923 und 1925 ließ die damalige Reichsbahndirektion eine eigene Verbindungsleitung zum Bahnbetriebswerk Rheine bauen. Diese war eine direkte Verbindung zur Ems und förderte täglich bis zu 1.000 Kubikmeter.

Im zweiten Weltkrieg erlitt das Bahnbetriebswerk Rheine nur leichte Kriegsschäden. Das Maschinenamt Rheine wurde 1919 eingerichtet. Diesem waren die Bahnbetriebswerke unterstellt, es wurde aber wegen Kriegsschäden nach Beesten ausgelagert. Nach Kriegsende mussten auf den Rheiner Bahnhöfen Trümmer von 1000 Güterwagen, 100 Personenwagen und 50 Lokomotiven beseitigt werden, bevor dann im Jahr 1956 der Normalbetrieb wieder aufgenommen werden konnte.

Anfang 1973 gab es nur noch ölgefeuerte Dampfloks im Bahnbetriebswerk Rheine. Die Ölkrise zwang die Bahndirektion Münster die Umläufe der Lokomotiven einzusparen und mit drei Maschinen der Baureihe 216 und zwei Maschinen der Baureihe 050 zu ersetzen. Für die Baureihe 043 wurden kohlegefeuerte Lokomotiven als Ersatz herangezogen.

Zur Außerdienststellung der Dampflokomotiven standen im BW Rheine 1977 noch 16 Dampflokomotiven zur Verfügung, sowie sechs Diesellokomotiven der Baureihe 260. Die Personalmenge wurde mit 621 Angestellten, Beamten und Arbeitern angegeben, davon waren 300 Triebfahrzeugführer.

Nach dem Ausscheiden der Dampfloks wurden im Bahnbetriebswerk Rheine noch zahlreiche Loks abgestellt, die entweder verkauft oder verschrottet werden sollten. Ab 1980 wurde der elektrische Betrieb auf der Bahnstrecke Rheine–Norddeich Mole aufgenommen und 1983 wurden dann die Gleise und die Drehscheibe entfernt. 1983 wurde dann auch noch die Selbstständigkeit des Bahnbetriebswerks aufgehoben. Mit diesem Entschluss entstand ein weiterer wunderschönen Lost Place in NRW.

Komm mit auf einen Rundgang durch das Bahnbetriebswerk Rheine.

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Kurze Fakten

Kategorie: Bahn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Erkundet am: 21.06.2020
Baujahr: 1856
Verlassen seit: 1983
Gesamtfläche: Keine Angabe
Noch begehbar: Ja
Denkmalschutz: Keine Angabe
Architekt: Keine Angabe
Quellen: Keine Angabe
Copyright: Pixelgranaten.de

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Randnotiz:

An dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Betreten und Erkunden von verlassenen Orten nicht nachzuahmen ist. Niemand sollte sich durch diese Bilder zu Straftaten animieren lassen. Verlassene Gebäude ohne Erlaubnis zu betreten ist illegal, kann direkt zur Anzeige gebracht werden und dazu noch sehr gefährlich sein. Die beschriebenen Erfahrungen müssen theoretisch nicht die eigenen sein.

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