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Fotografie Projekte Steinbocktour

Zipfelpass 4 von 4 – Tag 5

Der Vorteil an Höhenluft und körperlicher Ertüchtigung ist ja, dass man jedes Mal fantastisch schläft. Die nächste Tour sollte uns über den „Heilbronner Weg“ führen, der zum ersten Mal zwei Optionen bot: Entweder macht man eine Zwischenübernachtung im Waltenberger Haus, oder man geht bis zur Kemptner Hütte. Wir hatten uns im Vorfeld dafür entschieden, im Waltenberger Haus zu übernachten, da wir „nur“ 4 Stunden anstatt 8 Stunden gehen mussten und wir die Gegebenheiten vorher nicht kannten.

Im Nachhinein hätten wir die komplette Strecke auch so geschafft, aber so war der Weg deutlich angenehmer für uns. Die Strecke auf dem Heilbronner Weg hielt auch noch zwei Highlights für uns parat. Nach einem Birchler Müsli ging es mit einem letzten Blick auf den Rappensee, wie sollte es auch sein, mit dem obligatorischen Anstieg weiter. Nach unserer Tagestour zum Bieberkopf habe ich meine Beine sofort gespürt. Generell habe ich in den Bergen eine gute Stunde benötigt, um mich warm zu wandern, danach war es meistens kein Problem mehr. Könnte aber auch sehr gut an der Höhenluft gelegen haben. In der Nacht war ein Hubschrauber an der Hütte gelandet, um einen Wanderer abzuholen, der heftige Magenprobleme hatte. Wir waren wirklich froh, dass wir keine Probleme mit der Höhenluft hatten.

Auf den Wanderwegen sind uns immer wieder Gedenktafeln begegnet, an denen wir für einen Moment inne gehalten haben, denn das Wandern in den Bergen ist keine Spaßveranstaltung! Es erfordert jederzeit große Vorsicht und Konzentration. Zudem sollte man immer nur eine Sache machen: Entweder wandere ich gerade, oder ich mache ein Foto. Beides zusammen funktioniert in den Höhen einfach nicht und ist richtig gefährlich. Der Wille wird später noch genug gefordert und wenn man zu zweit wandert, ist Rücksichtsnahme auch ein Gebot. Wenn eine Pause gefordert wird, dann macht man eine, da gibt es keine Diskussionen.

Nach dem ersten Anstieg folgte ein weiterer Anstieg und dabei hatten wir die erste Begegnung mit Steinschlägen. Huh. Das war überhaupt nicht lustig und kann schnell passieren: Zum einen können andere Wanderer Steine von weiter oben lösen und rufen dann hoffentlich „Steine!“, zum anderen können auch Steinböcke Steine lostreten. Dabei sollte man sich sofort Schutz suchen, sich so nah den den Berg pressen wie es geht, den Kopf mit den Händen schützen, in die Hocke gehen und auch den Rucksack als Schutz für den Körper verwenden. Bei uns ist alles gut ausgegangen. Das zählt zu den Erfahrungen, bei denen man sich machtlos fühlt und diese nicht wieder erfahren möchte.

Die Erfahrungen vom Vortag zum Bieberkopf waren beim Anstieg sehr hilfreich. Wir sind sehr gut voran gekommen, obwohl es einige Engstellen mit Seilsicherung gab, die wir aber sehr gut passieren konnten. Nachdem wir das „Heilbronner Törl“ (ein riesiger Stein, durch den man durchgeht) passiert haben, haben wir unsere Mittagspause haben wir auf dem Steinschartenkopf mit der Aussicht auf zwei Täler verbracht.

Direkt neben uns lag das erste Highlight der Tour, denn wir mussten nun eine Höhenleiter benutzen, um weiter zu kommen. Eine Leiter auf 2600 Höhenmetern klingt erstmal nicht wirklich sinnvoll, aber ohne geht es einfach nicht weiter. In dem Moment war ich froh, dass der Wind kaum ging, aber wenn man nicht über die momentane Situation nachgedacht hat, konnte ich die Leiter ohne Probleme hinaufklettern. Oben angekommen wartete nämlich schon das nächste Highlight auf uns: Eine Eisenbrücke, die nur einseitig gesichert war. Muss man auch mal gemacht haben! Der teils seilgesicherte Weg war daraufhin sehr angenehm zu wandern, bis wir zum Abstieg zur Waltenberger Hütte gekommen waren. Das war dann der unlustige Part dieser Tour.

Eine knappe Stunde sind wir im feinen Geröll gewandert gerutscht. Wir haben uns wie Skifahrer im Sommer gefühlt: Kein Schnee, keine Ski unter Schuhen, aber dafür eine Rutschpartie im allerfeinstem Geröll. Das Problem mit dem feinen Geröll ist einfach erklärt: Man verliert sehr schnell die Kontrolle über dem, was man eigentlich vorhatte. Stehen bleiben zum Beispiel. Auch hier waren die Wanderstöcke wieder Gold wert, konnten die Rutschpartie aber nicht vollends kontrollieren. Am nächsten Tag sollte sich herausstellen, dass der Weg hinauf definitiv leichter zu bewältigen ist als hinunter. Den Nachmittag haben wir bei Sonne auf der schönen Terasse auf der Waltenberger Hütte ausklingen lassen, um am Abend einige Runden „Mensch ärgere dich nicht“ zu spielen. Außerdem konnten wir einige Steinböcke neben der Hütte beobachten und Enzian-Schnaps verköstigen.

6km / 750 Höhenmeter / 4 Stunden

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