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Kaltes Eisen - Das verlassene Eisenwerk - Teil 1
Lost Places Fotografie Industrie NRW

Kaltes Eisen – Das verlassene Eisenwerk – Teil 1

Das verlassene Eisenwerk war eine Stahl- und Edelstahlformgießerei, die in dieser Region lange Zeit nicht die einzige war. Sie sollte sich jedoch gegen die Konkurrenz durchsetzen und konnte somit am Ende auf eine über 100-jährige Unternehmensgeschichte zurückblicken.

Kurz nach Sonnenaufgang treffen wir uns in einer Nebenstraße des verlassenen Eisenwerks. Um uns herum stehen viele Einfamilienhäuser. Gefühlt schauen aus jedem Fenster mehrere Augenpaare zu uns herunter und warten nur darauf, dass wir irgendwas falsches machen. Ich vermute mal, dass wir nicht die einzigen sind, die sich hier genauer umschauen wollen. Wir entschließen uns aufzubrechen, bevor wir noch mehr Aufmerksamkeit auf uns ziehen. Mit Kamera, Taschenlampen und allerhand anderen Utensilien ist man eben immer auffällig.

Wenige Meter trennen uns noch vom verlassenen Eisenwerk. Die Schranke der ehemaligen Einfahrt ist geöffnet und darin steht ein Bauzaun. Dieser lässt aber zu beiden Seiten noch ausreichend viel Platz, um einfach daran vorbeilaufen zu können. Das Gelände scheint riesig zu sein. Als ich es mir vor unserem Besuch bei Google Maps angeschaut habe, dachte ich mir schon, dass dieser Lost Place nicht so klein sein wird, aber damit hatte ich nicht gerechnet. Wir müssen uns nun erstmal einen Überblick verschaffen.

Links von uns geht es zwischen zwei Hallen entlang auf einen weiteren großen Hof. Wir machen ein paar Fotos und setzen unsere Erkundung fort. Relativ schnell fällt hier auf, dass es so gut wie gar keine Graffitis oder Schmierereien gibt. Selbst die meisten Fensterscheiben sind noch ganz. Scheinbar liegt hier wirklich ein fast unberührter verlassenen Ort vor uns. Die Spannung steigt. Das Gelände zieht sich ewig weit. Wir laufen in Richtung der ehemaligen Parkplätze und Lieferzonen. Hier stehen noch ein paar weitere Hallen. Die Rolltore sind geöffnet und wir klettern hinein. Im Inneren stapeln sich diverse Gussformen. Teilweise meterhoch. Was die wohl einmal wert gewesen sind? Günstig war das bestimmt alles nicht. Ich frage mich bei solchen Dingen immer, warum die nach der endgültigen Schließung niemand verkauft hat, aber das soll nun nicht meine Sorge sein.


Das Lager ist komplett voll mit irgendwelchen Formen und Teilen. Auf manchen ist CAT zu lesen und bei einigen kann man die Form einer Baggerschaufel erahnen. Die Räume sind durch das noch relative wage Tageslicht in tolle Farben getaucht. Es ist das perfekte Wetter um Lost Places zu erkunden. Es ist hell genug, trocken und angenehm kühl. Es gibt nichts schlimmeres als sich bei 35 Grad Außentemperatur durch irgendwelche verfallenen Gebäude zu quälen. Nachdem wir mit der Lagerhalle fertig sind, laufen wir zurück zu dem eigentlichen Gebäudekomplex des ehemaligen Eisenwerks. Wir haben auf dem Hinweg gar nicht gemerkt, dass hier überall Überwachungskameras aufgehängt wurden. Ob diese noch funktionieren können wir nicht erkennen, aber wir werden es ja merken. Noch hat sich hier niemand blicken lassen und das bleibt auch hoffentlich so.

Als nächstes laufen wir von dem großen Innenhof in eine Art Werkstatt, denn auch hier sind alle Tore geöffnet. Hier herrscht totales Chaos. Hier haben wohl auch schon irgendwelche Menschen gewütet. Es ist mir völlig unverständlich, warum man sich an solchen Orten so verhalten muss. Trotzdem ergeben sich durch die verschiedenen Gegenstände und das Licht wunderschöne Motive. Man kann trotz des Chaos noch erkennen, wie die Menschen hier früher einmal gearbeitet haben müssen. Wir haben hier wirklich einen tollen Lost Place mitten in NRW entdeckt.

Von dieser Werkshalle laufen wir rüber in die großen Produktionshallen. Der Boden ist von Anfang an mit Asche, Sand und Dreck bedeckt. Wenn man die Augen zumacht, sich den Geruch wegdenkt und Wellenrauschen einspielt, könnte man meinen, man wäre am Meer. Links und rechts sind gemauerte Abgrenzungen, die man mit schweren Vorhängen verschließen konnte. Ich denke, dass hier einmal drin geschweißt worden ist. An der Decke sind Schienensysteme und Kräne aufgehängt. Es ist offensichtlich, dass hier schwere körperliche Arbeiten durchgeführt wurden. Auf einem Schild steht geschrieben, dass hier noch 2018 gearbeitet worden ist. Generell ist hier noch alles sehr unversehrt. Es wäre toll, wenn jeder Lost Place so wäre.

Wie unsere Tour durch das verlassene Eisenwerk weitergegangen ist, kannst du im zweiten Teil lesen. Eventuell gab es da sogar noch einen kleinen Zwischenfall mit einem Sicherheitsdienst.

Die Geschichte des verlassenen Eisenwerks

Das verlassene Eisenwerk war eine Stahl- und Edelstahlformgießerei, die überwiegend mit unlegierten, niedriglegierten und hochlegierten Werkstoffen gearbeitet hat. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1911 und blickte damit auf eine 109-jährige Geschichte zurück. Das Eisenwerk bzw. die Gießerei stellte Stahlgußformen her, die nationale und internationale Kunden belieferte. Diese Formen wurden unter anderem auf hoher See, in Kraftwerken und in der Erdölförderung eingesetzt.

Viel mehr lässt sich aktuell über die Geschichte des verlassenen Eisenwerks nicht herausfinden. Fest steht, dass das Unternehmen ab dem Jahr 2016 immer wieder in finanzielle Schieflage geriet, mehrmals umfirmierte und schließlich im Jahr 2018 endgültig liquidiert worden ist. Seitdem ist die alte Gießerei ein weiterer wunderschöner Lost Place in NRW.

Komm mit auf einen Rundgang durch das verlassene Eisenwerk.

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Kurze Fakten

Kategorie: Industrie
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Erkundet am: 20.07.2020
Baujahr: 1911
Verlassen seit: 2018
Gesamtfläche: Keine Angabe
Noch begehbar: Nein
Denkmalschutz: Keine Angabe
Architekt: Keine Angabe
Quellen: Keine Angabe
Copyright: Pixelgranaten.de

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Randnotiz:

An dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Betreten und Erkunden von verlassenen Orten nicht nachzuahmen ist. Niemand sollte sich durch diese Bilder zu Straftaten animieren lassen. Verlassene Gebäude ohne Erlaubnis zu betreten ist illegal, kann direkt zur Anzeige gebracht werden und dazu noch sehr gefährlich sein. Die beschriebenen Erfahrungen müssen theoretisch nicht die eigenen sein.

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