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Bahnbetriebswerk Aachen-West
Lost Places Bahn Fotografie NRW

Bahnbetriebswerk Aachen-West

Vom ehemaligen Eisenbahnbetriebswerk Aachen-West sind nur noch einige wenige Gebäude übrig, so wurden vom 16-ständigen Ringlokschuppen bereits 10 Stände abgerissen. Der Schornstein wurde bei einem Sturm beschädigt und später komplett entfernt. Die Drehscheibe von 1940 und deren Bedienstand sind noch bis heute komplett erhalten, wenn auch nicht mehr besonders gut.

Direkt an der Straße neben dem ehemaligen Bahnbetriebswerk Aachen-West finden wir einen geeigneten Parkplatz, der damit auch unser Startpunkt ist. Wir können die Rückseite des Bahnbetriebswerk von hier aus sehen und in den Momenten, in denen der Wind richtig steht, kann man ihn auch schon riechen. Es riecht nach altem Öl und modrigem Gemäuer. Dieser Geruch ist unverwechselbar und jeder, der schon einmal einen Lost Place besucht hat, wird wissen, wovon ich spreche.

Wir laufen dem Gelände entgegen und nähern uns den Gebäuden von hinten. Von hier aus könnte man meinen, es wäre bloß eine alte Lagerhalle. Die Rückseite ist total unscheinbar. Erst als wir es umrundet haben und direkt vor der alten Drehscheibe stehen, ist es offensichtlich, worum es sich hierbei handelt. Die Drehscheibe ist in einem tollen Zustand, wenn auch stark zugewachsen. An dieser Stelle ist der übliche Vandalismus wohl vorbeigegangen.

Ganz anders sieht es aus, als wir einen Blick ins Innere des verlassenen Lokschuppens werfen. Überall liegt Müll herum, die Wände sind bunt. Wie sollte es auch anders sein. Wie bei so vielen anderen Lost Places auch, ziehen diese Orte eben nicht nur vernünftige Menschen an. In dem großen Schuppen finden sich Gleise und Wartungsschächte. Diese sind aber zum Teil komplett mit Müll aufgefüllt. Von der Decke hängen noch ein paar Kabel. Die Uhrzeit ist perfekt. Die frühen Sonnenstrahlen scheinen durch die Oberlichter. Noch besser hätten wir es nicht abpassen können.

Unser Weg führt uns weiter durch die große Halle in einen kleineren Bereich. Hier waren bestimmt einmal Werkstätten und kleine Büros, oder Aufenthaltsräume. Mit jedem Schritt nimmt auch der Grad an Verwüstung zu. Auch scheint es hier mehrere Male gebrannt zu haben. Auf dem Boden vor mir liegt eine große bezogene Matratze und ein paar verrottete Kleidungsstücke. Ich vermute, dass sich hier jemand zurückgezogen hatte. Nach dem Brand, ist hier aber nicht mehr an sicheren Schlaf zu denken.

Leider finden sich nicht mehr viele Hinweise auf die ursprüngliche Verwendung der einzelnen Gebäudeteile. Mal sind es kleine Hallen, mal eher enge Räume. Auch hier liegen überall leere Spraydosen herum. Zm Glück haben wir weiterhin das Licht auf unserer Seite. So lassen sich selbst in komplett ausgeräumten Bereichen tolle Motive finden.

Der nächste Raum riecht schlimmer als die Räume davor. Wir bleiben stehen und schauen uns um. Als mein Blick an die Zimmerdecke wandert, sehe ich warum es hier so riecht. Scheinbar ist hier viel Wasser ins Gebäude gelaufen. Die Decke hängt stark durch und sie sieht so aus, als könne sie jeden Moment herunterkrachen. Diesen Bereich lassen wir also lieber aus.

Über einen schmalen Betonsteg geht es für uns weiter. Wir laufen an der Außenseite des Bahnhofs entlang, neben uns fahren Züge und rangieren einzelne Loks. Unbeobachtet bewegen wir uns hier gerade nicht, aber vielleicht haben wir Glück und unser Treiben interessiert niemanden weiter. Von dieser Seite des Bahnbetriebswerk Aachen-West gelangen wir in weitere Räume. An den Wänden finden sich große leere Sicherungskästen, auf den Böden Scherben und Balken mit eingeschlagenen Nägeln. Vorsicht ist geboten. Einen Nagel im Fuß brauchen wir nun wirklich nicht.

Dadurch dass die riesigen Glasfenster zu großen Teilen eingeschlagen sind, hat sich die Natur ihren Weg ins Innere gesucht. Ranken wachsen durch die Löcher über Heizkörper hinweg und beginnen so langsam, den kompletten Boden zu bedecken. Lichter, Pflanzen und Überbleibsel aus einer längst vergessenen Zeit bilden eine faszinierende Symbiose. Ein wirklich toller Lost Place.

Die Geschichte des Bahnbetriebswerks Aachen-West

Aachen West ist das einzige Bahnbetriebswerk, welches in dieser Umgebung noch erhalten ist. Es ist allerdings nun auch schon sehr lange stillgelegt. Das Bahnbetriebswerk Aachen-West wurde vor über 100 Jahren gebaut und eröffnet. Dies geschah, als der neue Bahnhof Aachen West entstand und die neuen Betriebe die älteren und kleineren ablösten.

Der Vorgänger des Bahnbetriebswerk Aachen West war eine Betriebswerkstätte, die durch die Bergisch-Märkische-Eisenbahn um 1875 angelegt wurde. Diese Betriebsstätte hatte unter anderem einen 10-ständigen Ringlokschuppen. Nach Fertigstellung des Aachener Westbahnhofes im Jahr 1910 und der Betriebswerkstätte Aachen West wurden die Anlagen an der Weststraße aufgegeben. Das Bahnbetriebswerk Aachen-West übernahm ab hier.

Zum neuen Bahnbetriebswerk gehörte ab sofort ein 16-ständiger Ringlokschuppen mit Drehscheibe, sowie eine zweigleisige Halle für Reparaturarbeiten. Daneben befanden sich Werkstätten und ein Verwaltungsgebäude. Von diesen Gebäuden existieren heute leider nicht mehr alle. Einige wurden bereits abgerissen, andere sind der Witterung, oder Bränden zum Opfer gefallen.

Im Jahr 2012 begann dann der Abriss. Als erstes wurden die Gleise zum Bahnbetriebswerk Aachen-West entfernt, danach folgte die ehemalige Lokleitung und die Wagenhalle.

Es scheint aktuell nicht klar zu sein, was mit den anderen Gebäuden passieren soll. Verschiedene Quellen berichten darüber, dass Teile des ehemaligen Bahnbetriebswerks unter Denkmalschutz stehen würden. Das würde bedeuten, dass man sie nicht einfach abreißen kann. Für eine eventuelle Nachnutzung müsste man allerdings wahrscheinlich sehr viel Geld in die Hand nehmen.

Komm mit auf einen Rundgang durch das Bahnbetriebswerk Aachen-West.
 

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Kurze Fakten

Kategorie: Bahn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Erkundet am: 31.10.2020
Baujahr: 1910
Verlassen seit: 2012
Gesamtfläche: Keine Angabe
Noch begehbar: Nein
Denkmalschutz: Ja
Architekt: Keine Angabe
Quellen: Keine Angabe
Copyright: Pixelgranaten.de

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Randnotiz:

An dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Betreten und Erkunden von verlassenen Orten nicht nachzuahmen ist. Niemand sollte sich durch diese Bilder zu Straftaten animieren lassen. Verlassene Gebäude ohne Erlaubnis zu betreten ist illegal, kann direkt zur Anzeige gebracht werden und dazu noch sehr gefährlich sein. Die beschriebenen Erfahrungen müssen theoretisch nicht die eigenen sein.

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