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Das geheime Sprengstoffversuchslabor
Fotografie Industrie Lost Places NRW

Das geheime Sprengstoffversuchslabor – Teil 2

Das geheime Sprengstoffversuchslabor wurde aufgrund des verheerendes Grubenunglücks im Jahr 1908 errichtet. Unmittelbar nach diesem schrecklichen Unglück wurden überall in Deutschland mehrere Sprengstoffversuchslabore aufgebaut. Diese sollten dafür sorgen, dass weitere Unglücke verhindert werden können. Wir haben uns dort genauer umgesehen.

Nachdem wir bereits mehrere Teile des Geländes des geheimen Sprengstoffversuchslabors erkundet haben, hoffen wir, dass auch in diesem Gebäude noch ein paar Highlights auf uns warten. Wir steigen die Treppe hoch und landen in einer Art verlassenem Klassenzimmer. An einer Seite des Raumes hängt eine große Tafel an der Wand, an die sich ein kleiner Lagerraum anschließt. Hier stehen kleine hölzerne Aktenschränke. Vermutlich wurden hier einmal Lehrmaterialen untergebracht. Der Fußboden ist aufgequollen. Mit jedem Schritt sinkt man ein Stück ein. Ein ungutes Gefühl, aber von unten sah die Decke noch gut aus. Hoffentlich ist es wirklich nur der Fußbodenbelag, der aufgequollen ist. In einem anderen kleinen Nebenzimmer steht ein großes Reißbrett. Es ist nahezu unversehrt. Von hier aus geht es in eine weitere große Halle. Über eine schmale Metalltreppe erreicht man dadurch wieder das Erdgeschoss.

Wir gehen wieder nach draußen. Wir laufen ein Stück in den Wald hinein, denn auch hier verstecken sich überall alte Testgelände. Nach ein paar Metern taucht der erste Bunker auf. Ob und was hier gelagert wurde, ist unklar. Die Bunkertür ist verschlossen und schützt das Innere noch heute. Wir können nur vermuten, dass hier vielleicht einmal Sprengstoffe gelagert wurden. Auch der zweite Bunker, der sich nur einige Meter vom ersten befindet, ist fest verschlossen. Man kann erkennen, dass sich hier schon ein paar Menschen beim Versuch die Bunkertür zu öffnen, die Zähne ausgebissen haben. So weit wollen wir aber nicht gehen. Wir lassen auch diesen verlassenen Bunker zurück und richten unseren Blick auf das dichte Unterholz.

Vor uns tauchen mehrere Versuchsstationen auf. Ein großer Betonbehälter mitten im Wald. Darüber ein kleiner Kran. Ob hier auch Dinge zur Explosion gebracht wurden? Es ist wahnsinnig spannend, sich vorzustellen, was hier Tag für Tag gemacht wurde. Auch ein kleiner Unterstand taucht vor uns auf. Er ist mehr Bunker als Unterstand. Wenn man sich hineinstellt, kann man durch einen schmalen Spalt auf eine der Versuchsstationen blicken. Wir nehmen an, dass die Mitarbeiter von hier aus die Sprengungen und Explosionen auslösten. In diesem Gebäude waren sie in Sicherheit. Leider erinnert nur noch ein kleiner Sicherungskasten an das, was hier einst war. Es geht einen kleinen Trampelpfad entlang und direkt erscheinen die nächsten Gebäude des geheimen Sprengstoffversuchslabors. Dieser Lost Place in NRW ist riesig groß. Das Gelände ist total unübersichtlich und wirkte zuerst eher klein. Die Bäume und Büsche sorgen dafür, dass man wirklich genauer hinschauen muss.

Wir erreichen die ehemaligen Werkstätten. Leider sind sie komplett ausgebrannt. Das Innere ist pechschwarz, aber die Werkbänke haben dem Feuer standgehalten. Das Nachbargebäude hat wieder diese kleinen Sichtfenster, wie man sie aus Geschützstellungen kennt. Durch diese können wir ins Innere blicken. Hier finden sich weitere Werkbänke, Aktenschränke und jede Menge Unterlagen. Zu gerne würden wir einmal in der Zeit zurückreisen, um zu sehen, wie es hier früher einmal zugegangen ist.


Die Geschichte des geheimen Sprengstoffversuchslabors

Im Jahr 1908 gab es auf der Zeche Radbod ein verheerendes Grubenunglück, welches nicht nur 349 Menschen das Leben kostete, sondern auch erhebliche soziale, politische und technische Folgen hatte. Die Zeche Radbod verlor fast die gesamte Mannschaft der Nachtschicht. Die Angehörigen hatten mit finanziellen Problemen fertigzuwerden und lösten eine Welle der Spendenbereitschaft aus, die technische Ausrüstung der Grubenlampen wurde verbessert und die Schaffung unabhängiger Sicherheitsbehörden im Bergbau hatte genau hier einen ihrer Startpunkte.

Als Folge dieses Unglücks wurde im Deutschen Reich angeordnet, dass in Schlagwettergruben die Benzinsicherheitslampen als Arbeitsgeleucht abgeschafft und durch neuartige elektrische Sicherheitslampen ersetzt werden. Diese wurden nach der Wiederaufnahme der Förderung im Jahr 1909 zuerst auf der Zeche Radbod eingeführt. Nach der Umstellung durften nur noch Steiger, Wettermänner und Schießhauer Wetterlampen benutzen.

Dieses Grubenunglück sorgte dafür, dass man eigene Versuchsstrecke für die Untersuchung von Kohlenstaubexplosionen errichtete. Da diese Versuchsstrecken immer in der Nähe von Zechen errichten wurden, entstand 1908 eben diese Versuchsstrecke genau hier in Dortmund. Ab dem Jahr 1913 gab es hier eine 200 Meter lange Kohlenstaub-Versuchsstrecke. Davon ist heute nur noch das Ende erhalten. Das Rohr, mit einem Durchmesser von 1,80 Meter ist leider demontiert worden. Mit diesen Versuchsstrecken gelang der wissenschaftliche Nachweis, dass bestimmte Kohlenstaubarten Laufexplosionen verursachen können, bei denen die Druckwelle einer gezündeten Staubexplosion fortlaufend abgelagerten Kohlenstaub aufwirbelt und so die Explosion sich durch die Strecken unter Tage ausbreitet, wobei der Explosionsdruck immer stärker wird.

Bis ins Jahr 2001 wurde hier geforscht. Es wurden Sprengstoffe getestet und auch die Sicherheit unter Tage konnte erheblich verbessert werden.


Komm mit auf einen Rundgang durch das geheime Sprengstoffversuchslabor.

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Kurze Fakten

Kategorie: Industrie
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Erkundet am: 08.03.2020
Baujahr: 1910
Verlassen seit: 2001
Gesamtfläche: Keine Angabe
Noch begehbar: Ja
Denkmalschutz: Nein
Architekt: Keine Angabe
Quellen: Keine Angabe
Copyright: Pixelgranaten.de

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Randnotiz:

An dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Betreten und Erkunden von verlassenen Orten nicht nachzuahmen ist. Niemand sollte sich durch diese Bilder zu Straftaten animieren lassen. Verlassene Gebäude ohne Erlaubnis zu betreten ist illegal, kann direkt zur Anzeige gebracht werden und dazu noch sehr gefährlich sein. Die beschriebenen Erfahrungen müssen theoretisch nicht die eigenen sein.

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