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Kaserne Vogelsang - Eine verlassene Garnison
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Kaserne Vogelsang – Eine verlassene Garnison

Wir parken unser Auto in einer Nebenstraße, nicht weit entfernt vom Bahnhof Vogelsang. Es scheint ein sehr beschaulicher Ort zu sein. Unser Weg führt uns auf einen Trampelpfad direkt in den Wald hinein. Wer hier noch Empfang hat, hat Glück. Unsere Smartphones hatten ab und zu Edge, so dass wir uns mit der Karte etwas orientieren konnten.

Nach einigen hundert Metern kommen wir an eine alte Schranke mit einem Hinweis auf ein ehemaliges Militärgebiet. Wir laufen weiter fast vier Kilometer in den Wald hinein, bis auf die ersten Gebäude und Mauern stoßen. Viele davon so stark verfallen, dass man sie im dichten Gestrüpp kaum noch wahrnehmen kann.

Mit ausreichend viel Autan gegen die Brandenburger Zecken an den Beinen streifen wir durch kniehohes Gras, Brennnesseln und Unterholz. Zwischendurch finden sich immer wieder Beton-Panzerplatten, die mal eine Straße bildeten. Sie führen uns bis zu einem Tor, wo wir früher nicht einfach so hätten eintreten dürfen. Direkt daneben ein verlassener Hundezwinger. Ob dort noch heute Security unterwegs ist, wissen wir nicht. Wir treffen auf unserer Tour nur ein paar andere Fotografen und Radfahrer, die wissen wollen, mit welcher Art Energiequelle meine Drohne betrieben wird.

Heute steht das Tor sperrangelweit offen und wir betreten die Kaserne Vogelsang. Früher waren hier unter anderem 300 Kampf- und 200 Schützenpanzern der 25. Panzerdivision stationiert. Der Gedanke ist beeindruckend und beängstigend zugleich. Langsam werden auch größere Gebäude sichtbar. Die Fenster sind eingeschlagen, die Türen liegen vor den Eingängen. Es riecht genau, wie an allen anderen verlassenen Orten. Nach Schutt, feuchten Wänden und modrigem Holz.

Wir streifen mehrere Stunden lang über das Gelände und entdecken neben den zahlreichen Gebäuden, wie einem Kino- und einem Konzertsaal, eine Sporthalle mit aufgerissenem Boden, auch große Schutthaufen. Das Land Brandenburg hat hier bereits mit dem Rückbau des Geländes begonnen. Einige Gebäude sind nun nicht mehr als ein großes Haufen Betonschutt. In ein paar Monaten wird von der ehemaligen Garnison Vogelsang nichts mehr übrig sein. Die Natur hat hier sowieso schon damit begonnen, sich das Gebiet zurückzuerobern.

Geschichte der Kaserne Vogelsang

Im Norden von Vogelsang entstand nach dem Zweiten Weltkrieg ein bedeutender Standort der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Die Kaserne Vogelsang, auch Stadt im Wald genannt, wurde komplett von der DDR Regierung errichtet und bezahlt. Neben der 25. Panzerdivision, der 20. Gardearmee und etlichen Regimentern, war hier auch die taktische Raketenabteilung stationiert. Zeitweise lebten so mehr als 15.000 russische Soldaten und Zivilisten in der Militärstadt, die neben Wünsdorf die größte russische Liegenschaft war.

Zwischen 1959 und 1960 waren dort auch Nuklearraketen vom Typ R-5 stationiert, die unter anderem auf Frankreich und Großbritannien gerichtet waren. Die Systeme in Vogelsang waren auf die Thor-Systeme in England gerichtet. Die Systeme in Bulgarien nahmen die Jupiter in der Türkei ins Visier.

Auf dem gesamten Gelände befanden sich hunderte Gebäude, darunter Kino, Clubs, Sporthallen, Saunen, eine Schule, eine Bäckerei, eine Wäscherei, Reperatur- und Wartungswerkstätten, Wasser-, Heiz und Klärwerk, Krankenhaus und diverse Unterkünfte. Damit man den enormen Bedarf der Garnison sicherstellen konnte, führte vom Bahnhof Vogelsang ein Anschlussgleis zu einem Lagerzentrum.
Seit dem Abzug der russischen Truppen 1994 liegt das riesige Gelände brach und wird im Rahmen von Konversionsmaßnahmen nach und nach abgerissen und renaturiert. Wegen der vielen Munitionsreste im Boden kann das Betreten der abgesperrten Bereiche lebensgefährlich sein. Hier sollte man sehr vorsichtig sein und immer genau schauen, wo man hintritt.

Komm mit auf einen kleinen Ausflug durch das Gelände der Kaserne Vogelsang.

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Kurze Fakten

Kategorie: Militär
Bundesland: Brandenburg
Erkundet am: 02.06.2018
Baujahr: 1946
Verlassen seit: 1994
Gesamtfläche: Keine Angabe
Noch begehbar: Nein
Denkmalschutz: Keine Angabe
Architekt: Keine Angabe
Quellen: Keine Angabe
Copyright: Pixelgranaten.de

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Randnotiz:

An dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Betreten und Erkunden von verlassenen Orten nicht nachzuahmen ist. Niemand sollte sich durch diese Bilder zu Straftaten animieren lassen. Verlassene Gebäude ohne Erlaubnis zu betreten ist illegal, kann direkt zur Anzeige gebracht werden und dazu noch sehr gefährlich sein. Die beschriebenen Erfahrungen müssen theoretisch nicht die eigenen sein.

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