0
Güterbahnhof Duisburg - Ein verlassener Bahnhof im Ruhrgebiet
Bahn Fotografie Industrie Lost Places NRW

Güterbahnhof Duisburg – Ein verlassener Bahnhof im Ruhrgebiet

Der Duisburger Güterbahnhof liegt unweit entfernt vom Hauptbahnhof und erstreckt sich über ein Areal von 35 Hektar. Ein Ort mit einer langen Vergangenheit, sowie der Ort eines schrecklichen Unfalls im Jahre 2010.

Wir parken unser Auto in der Nähe des Güterbahnhofs auf einem öffentlichen Parkplatz. Zumindest denken wir, dass es ein öffentlicher Parkplatz ist. Wir überqueren ein paar Straßen und stehen vor einem relativ hohen Zaun, der uns den Weg zum Gelände des Güterbahnhofs versperrt. Wir fragen ein paar Jugendliche, die sich bereits hinter dem Zaun befinden, nach dem Weg und finden den Eingang. Wären unsere Bäuche ein paar Zentimeter dicker, wären unser Besuch bereits am Zaun zu Ende gewesen.

Wir laufen durch ein paar Nebengebäude. Die Decken, Wände und Treppen sind teilweise eingestürzt, teilweise noch sehr gut intakt. Einrichtungsgegenstände sucht man hier vergebens. Man erkennt kaum noch, was hier mal gewesen ist. Nachdem wir uns dort etwas umgesehen haben, gehen wir in eine der großen Hallen und stehen plötzlich in einem Tropenhaus. Die komplette Halle ist zugewachsen. Wir müssen uns ducken und durch das Gestrüpp kriechen.

Vor uns liegen weitere Räume, in denen es noch vor kurzem gebrannt haben muss. Überall liegen verkohlte Holzbalken herum, es riecht nach verbranntem Holz. Unser Weg führt uns in den Keller und natürlich haben wir schon wieder keine Taschenlampen dabei. Mit den Smartphones leuchten wir uns den Weg durch das riesige unterirdische Areal. Hier und da liegen verbogene Tore und Absperrungen herum, auch ein paar Lastenwagen stehen dort.

Wieder zurück in der großen Halle wollen wir die Drohne fliegen lassen. Leider reagiert diese plötzlich nicht mehr auf meine Steuerung und fliegt mich hoher Geschwindigkeit stumpf gegen die Fassade. Das war ihr letzter Ausflug. Gimbal und Rotoren sind herausgebrochen. Die Reparaturkosten liegen in etwa in Höhe der Anschaffungskosten. Mist.

Wir machen noch ein paar Aufnahmen und entschließen uns zurück zum Parkplatz zu laufen. Dort angekommen müssen wir feststellen, dass die Schranke, die bei unserer Ankunft noch geöffnet war, nun geschlossen ist. Wir kommen nicht mehr vom Parkplatz herunter und es ist niemand vor Ort, den man ansprechen könnte. Wir können also das Auto dort stehenlassen und am nächsten Tag noch einmal vorbeikommen, oder die Schranke einfach selbst öffnen.
Gedacht, getan. Wir fahren wieder nach Hause und trauern weiter um die Drohne.

Die Geschichte des Duisburger Güterbahnhofs

Der Duisburger Güterbahnhof (Gbf) ist ein ehemaliger Güter- und Rangierbahnhof und liegt in der Nähe des Hauptbahnhofs. Das rund Areal erstreckt sich über insgesamt 35 Hektar. Der Bahnhof bestand aus einem Rangier- und dem unmittelbar daneben gelegenen Güterbahnhof.

Der Rangierbahnhof besaß an seinem südlichen Ende einen Ablaufberg mit zwei Gleisbremsen sowie ein kleines Rangiersystem für Eilgutverkehr. Im Nordwestteil der Anlage befanden sich die Verladeanlagen für den Ortsverkehr und eine Stückgutumladehalle.

Das Gelände wurde seit Mitte des 19. Jahrhunderts industriell und gewerblich genutzt. Die bahntypische Nutzung begann 1864 mit betriebstechnischen Anlagen und Gebäuden der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft, der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft und der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft. Eine Nutzung durch Schwerindustrie (Walz- und Stahlwerke) im mittleren Bereich des Standorts ist ab 1873 sicher belegt.

Im südlichen Bereich des Geländes befand sich vor 1900 eine Eisenbahnwerkstatt mit Lokschuppen und Drehscheibe. Ab den 1920er Jahren ist eine Ausbreitung der Bahnanlagen zu verzeichnen. Die Industriebetriebe wurden zurückgebaut, oder in andere Fabriknutzungen umgewandelt. Die Umladehallen und Ladestraßen wurden eingerichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Wandel von der industriellen Vornutzung des Geländes hin zur hauptsächlichen Nutzung durch Bahnanlagen abgeschlossen.

Neben den eigentlichen Bahnanlagen befinden sich auf dem Gelände eine Reihe von Lagerplätzen und Lagerhallen. Aktuell sind die Einrichtungen des Güterbahnhofs außer Betrieb. Die Güterhallen stehen leer und werden nicht mehr genutzt. Die Gleisanlagen sowie ein Stellwerk werden ebenfalls nicht mehr genutzt, die Gleise sind weitgehend zurückgebaut.

Am 24. Juli 2010 fand die Loveparade 2010 in Duisburg auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs unter dem Motto „The Art of Love“ statt. Erstmals handelte es sich dabei um eine Veranstaltung in einem umzäunten Areal. Bei dem durch dichtes Gedränge im Eingangsbereich ausgelösten Unglück kamen 21 Menschen ums Leben. Insgesamt 511 weitere Personen wurden bei der Veranstaltung verletzt, etwa 40 davon schwer.

2009 wurde im Rahmen der Entwicklungsplanung der Stadt Duisburg eine Planung für die weitere Nutzung des Areals vorgelegt. Vorgesehen war die Errichtung des Büroparks „Duisburger Freiheit“. Die Pläne hierfür wurden vom britischen Architekten Norman Foster erarbeitet. Foster hat bereits viele andere Gebäude in Duisburg entworfen.

Nachdem die Planungen dafür jedoch lange Zeit nur schleppend vorankamen, gab es Pläne für ein Factory-Outlet-Center auf dem Gelände, die jedoch im September 2017 per Bürgerentscheid gestoppt wurden. Infolgedessen sollen nun wieder die Pläne für die Duisburger Freiheit als Grundlage der weiteren Planungen für das Gelände dienen.

Komm mit auf einen kleinen Ausflug durch den Güterbahnhof Duisburg.

Jetzt bist du gefragt!

Bist du auf der Suche nach verlassenen Orten in NRW, Brandenburg, oder Berlin? Dann bist du hier genau richtig.
Warst du schon mal bei diesen Lost Places?

Schwimmhalle Pankow
SS-Brotfabrik
Gasthof „Zum schwarzen Adler“

Du kennst noch andere spannende verlassene Orte?
Verlassene Orte, die wir unbedingt gesehen haben sollten?
Dann lass uns doch bitte einen Kommentar da. Wir würden uns freuen.

Kurze Fakten

Kategorie: Bahn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Erkundet am: 20.08.2018
Baujahr: 1964
Verlassen seit: 2010
Gesamtfläche: 35 Hektar
Noch begehbar: Ja
Denkmalschutz: Ja
Architekt: keine Angabe
Quellen: Wikipedia.de
Copyright: Pixelgranaten.de

Verlasszination Newsletter

Möchtest du mit uns neue Orte zum fotografieren entdecken? Dann melde dich jetzt für unseren Verlasszination Newsletter an und bleibe immer auf dem Laufenden. Wir schicken dir keinen Spam, sondern nur einmal im Monat einen Newsletter mit interessanten verlassenen Orten und Tipps zum Thema Fotografie.

Deine E-Mail Adresse wird auf keinen Fall an Dritte weitergegeben und du kannst Dich jederzeit ganz einfach wieder abmelden. Wir freuen uns darauf, dich als neuen Abonnenten begrüßen zu dürfen.
Melde dich gleich hier an.


Verlassene Orte in Berlin: Wie Sie die Hauptstadt noch nie gesehen haben

Verlassene Orte in Berlin: Wie Sie die Hauptstadt noch nie gesehen habenViele weitere spannende geheime Orte findest du in meinem neuen Bildband Verlassene Orte in Berlin: Wie Sie die Hauptstadt noch nie gesehen haben.

Ich bin immer wieder an verlassenen Orten unterwegs und berichte darüber in diesem Blog. Jetzt habe ich meine liebsten Foto-Locations in Berlin in einem Buch veröffentlichen dürfen.

Egal, ob du Lost Places Fan bist, oder einfach nur gerne mal etwas Neues für dich entdecken möchtest - Dieses Buch bietet dir eine Vielzahl an spannenden Motiv-Ideen.

Hier kannst du meinen ersten Bildband Verlassene Orte in Berlin: Wie Sie die Hauptstadt noch nie gesehen haben bestellen!

Randnotiz:

An dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Betreten und Erkunden von verlassenen Orten nicht nachzuahmen ist. Niemand sollte sich durch diese Bilder zu Straftaten animieren lassen. Verlassene Gebäude ohne Erlaubnis zu betreten ist illegal, kann direkt zur Anzeige gebracht werden und dazu noch sehr gefährlich sein. Die beschriebenen Erfahrungen müssen theoretisch nicht die eigenen sein.

Das könnte dir auch gefallen…

Keine Kommentare

    Kommentar verfassen

    Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.